Die Innenwahrnehmung mit den Bildern, die aus dem Unbewussten aufsteigen – Aktive Imagination, ist gerade vor Ostern aus der Klarheit des Fastens bedeutsam für die innere Einkehr. Außen und Innen, Körper ung Geist entsprechen sich. In einem grossartigen Interview beschreibt C. G. Jung, dass beides, die materielle Aussenwelt und die innere Welt eben Fakt ist. Jedes Haus war einmal ein Gedanke.
Wir sind in unserem Stadteil sicher nicht eine dieser beinahe klinisch toten katholischen Großstadtgemeinden. Man geht aber – wenn überhaupt – alleine in die Messe und auch wieder alleine hinaus mit gelegentlichen zufälligen Begrüssungen. Der Pfarrer und seine ehren- und hauptamtlicher Mitarbeiter sind aufgrund wachsender Gemeindegrößen (zwei zusammengelegte Pfarreien – vier Kirchen) gefordert. Die angebotenen Veranstaltungen, insbesondere die Messe in der kleinen Kirche sind mehr als ein Minimum, stillen aber gerade in der Fastenzeit nicht immer den Durst auf Transzenden und Mystik. Ein Tor zum Unbewussten und damit zu Transzenden und Mystik ist die Aktive Imagination. Nach C.G. Jung ist Aktive Imagination der Königsweg zum Unbewussten. Nach einer entspannenden, in die innere Stille führenden Meditation öffnet und arbeitet der Einzelne mit Achtsamkeit, Nüchternheit, und Wertschätzung in seiner inneren Bilderwelt.
Die moderne Forschung der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik, öffnet auch dem kritischen, zweifelnden Geist Erkenntnisse, die denen religiöser Systeme ähneln. Raum und Zeit sind verbunden. Zusammenhänge sind kausal aber auch akausal vernetzt. Nichts geschieht ohne zeitgleiche Auswirkung im gesamten Universum. Es verbinden sich der alte Grundsätz der alchemistischen und religösen Mystik.
Das Wissen darum ließ in allen großen Kulturen die Menschen aufbrechen, in ihren Initiationswegen einen Zugang zu suchen zu diesen anderen, dem bewussten Denken nicht zugänglichen Dimensionen. Beim Arbeiten mit der Bibel, spielt neben dem Lesen, die Möglichkeit zur Imagination als einen unmittelbaren Zugang zu den eigenen Bildern und Phantasien eine wichtige Rolle. ”Wenn wir von Imagination sprechen, dann sprechen wir von der Tätigkeit unserer Vorstellungskraft, unserer Einbildungskraft, von Phantasie, von Tagträumen. Auch wenn diese Phänomene untereinander verschieden sein können, betreffen sie alle den Bereich des Imaginativen, (…). Imaginative Fähigkeiten zu haben bedeutet, dass es den Menschen gegeben ist, mehr oder weniger anschaulich, ein Bild zu haben von etwas, das nicht mehr oder noch nicht präsent ist, das vielleicht überhaupt nie präsent sein wird. Diese Vorstellungen können sehr bildhaft sein, mehr von Farben oder Formen bestimmt; sie können sich aber auch durch eine Geruchserinnerung oder einer Geruchsvorwegnahme, durch eine Berührungserinnerung oder Berührungsphantasie oder durch akustische Erinnerungen oder Erwartungen ausdrücken. Sie können auch mehr gedanklicher Art sein.” (V. Kast, Imagination als Raum der Freiheit, Olten 1988). Die jedem Menschen gegebene Möglichkeit zur Imagination in bewusster und aktiver Weise zu gebrauchen und zu entfalten, ist ein Ziel. So wird die Fähigkeit, innere Bilder zu sehen und wahrzunehmen, angeregt, oder Mut gemacht, diese inneren Bilder zuzulassen, da die Fähigkeit zur Imagination das schöpferische Entwickeln und Gestalten von Spielstücken ermöglicht und wesentlich unterstützt. Ein wichtiger Schritt in dem Gebrauch der aktiven Imagination ist die Bewusstmachung und Gestaltung, der inneren Bilder zu einem biblischen Text wie z.B. Jesu’s Leidensgeschichte zu Ostern. C. G. Jung ist in seinen tiefenpsychologischen Forschungen jenseits des bewussten Erlebens genau dieser ganzheitlichen Dimension begegnet. Das Bewusstsein kann sie nicht vollständig erfassen sondern nur partiell erfahren, z.B. in Symbolen, Träumen und Imaginationen.
Eine ihn bewegende Frage, ein rätselhafter Traum, ein Wort der Bibel oder einfach die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit helfen, sich auf die auftauchenden Bilder zu zentrieren und einzulassen. Fühlt man sich von einem Bild oder Geschehen angesprochen, tritt man in seiner Vorstellung aktiv handelnd – also mit seinem Ich verantwortlich beteiligt – in das Bild ein. Eine Handlung entwickelt sich. Aufgefallen ist mir dies schon beim nur gesamthaften Durchlesen der Bibel in St. Ottilien. Dieser primär “sinnliche” Zugang zum “Gesamtkunstwerk” Evangelium ist mächtig und zumindest gleichwertig zum intellektuellem Interpretieren der einzelnen Bibelstellen.
Aktive Imagination ist also aktives Wach-Träumen ähnlich den Visualisierungstechniken der Meditation keine passive Wahrnehmung in einem tranceartigen Zustand, auch keine Phantasiereise . Dieses inneren Drama, dessen Gestalter wir sind, enthüllt uns Möglichkeiten, Gegensätzlichkeiten, konfrontiert unser bisheriges Selbstbild mit den Grenzen des bewussten Ichs und der Unendlichkeit der Schöpfung .
Im sich daran unmittelbar anschließenden kreativen Gestalten – Jung nennt sie eine „phantasia vera“, entsteht eine „wahre Fantasie“, die uns verändern kann, wenn wir uns darauf einlassen. Sie hilft uns, zu uns selbst, zu unserem Lebenssinn in Christus zu finden, zu dem, was wir im Kern schon immer waren, was als Möglichkeit entwickelt und gelebt werden will.
Bestärkt von seinem Freund Wolfgang Pauli, dem weltbekannten Physiknobelpreisträger, nahm Jung an, das Prinzip der Komplementarität habe nicht nur in der Physik, sondern auch in der menschlichen Seelenkunde Geltung. Er verstand kausale und nicht-kausale Erklärungen, Trieb und Willen, aber auch – am umstrittensten – Gut und Böse als einander ergänzende Größen.
Viele Begriffe Jungs, bilden dieses Gegensatzpaar, etwa Introversion und Extraversion, Anima und Animus und in gewissem Sinne auch Persona und Schatten. “Schatten” steht für die abgewehrte, ins Dunkle verdrängte Seite des Menschen, also für alle Neigungen und Eigenschaften, die man an sich nicht wahrhaben will. “Persona” ist die Maske, die ein Mensch aufsetzt, um sich anzupassen und den Normen zu entsprechen. Nach Jung kann ein Mensch oft erst zu sich selber – zu seinem Zentrum, zum «Selbst» – finden, wenn er Schatten und Persona erkennt und sich mit dem kollektiven Unterbewussten durch die sogenannte aktive Imagination auseinandersetzt. Hermann Hesse, der in drei entscheidenden Krisensituationen seines Lebens (1916/17, 1921 und 1926/27) bei C. G. Jung Hilfe fand, hat diese imaginative Suche literarisch umgesetzt. “Steppenwolf” ist nach Hesses eigenen Worten die literarische Einlösung dessen, was er als das “Feuer“ seiner Analyse bezeichnet hat und illustriert auch das Anliegen Jungs, scheinbar Gegensätzliches zu verbinden und das im westlichen Denken vorherrschende Prinzip der Unterscheidung mit dem östlichen oder mystischen Prinzip der Synthese (wie „Yin und Yang“) zu ergänzen. Jungs Religionspsychologie liefert Hesse die theoretische Legitimation für die zentrale Botschaft seiner mittleren und späten Dichtung: die Identität von Selbsterfahrung und Gotteserfahrung. Sie bestätigt eigene Ahnungen und Erkenntnisse über die gemeinsamen psychologischen und anthropologischen Grundlagen der Weltreligionen. Hesse formuliert in in seiner Betrachtung “Weihnacht” aus dem Jahr 1917:
“Die Lehre Jesu und die Lehre Lao Tses, die Lehre der Veden und die Lehre Goethes ist in dem, worin sie das ewig Menschliche trifft, dieselbe. Es gibt nur eine Lehre. Es gibt nur eine Religion. Es gibt nur ein Glück. Tausend Formen, tausend Verkünder, aber nur einen Ruf, nur eine Stimme. Die Stimme Gottes kommt nicht vom Sinai und nicht aus der Bibel, das Wesen der Liebe, der Schönheit, der Heiligkeit liegt nicht im Christentum, nicht in der Antike, nicht bei Goethe, nicht bei Tolstoi — es liegt in dir, in dir und in mir, in jedem von uns. Dies ist die alte, einzig ewig gültigeWahrheit. Es ist die Lehre vom ‘Himmelreich’, welches wir ‘inwendig in uns’ tragen.”
In der Bibel ist hierzu das über den Menschen als Sünder Gesagte relevant. Im AT hat der Mensch die Freiheit zu wählen. In Gen 3-11 wird geschildert, dass der Mensch seine Grenzen nicht akzeptiert, wie Gott sein will und damit sein Verhältnis zu Gott, Mitmensch und Umwelt zerstört. Später hat man (die ätiologische und mythologische Erzählung) Gen 3 im Sinne einer Erbsündenlehre verstanden (Augustin; CA 2: „ … dass sie alle vom Mutterleib an voll böser Lust und Neigung sind und von Natur keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott haben können…“). Das NT betont die Sünde als objektive Macht (vgl. Rö 7/8), die den Menschen beherrscht, erst durch Christus wird diese Macht gebrochen (wobei die endgültige Durchsetzung des Reiches Gottes noch aussteht). Spezifische Aussagen darüber, woher das Böse letztlich kommt, macht die Bibel ebensowenig wie woher Gott kommt.
Das Nachdenken über bestimmte Bibelstellen, eine bestimmte Predigt führte bei mir zur Erkenntnis, das Himmelreich ist heute schon da, es ist in Dir und Mir. Jungs Psychologie legitimiert, systematisiert und erweitert (für mich auch ganz persönlich) jene religiösen und psychologischen Einsichten. Eine Kernaussage im Taoismus ist ja zum Beispiel, das sich das Gute und das Böse ergänzt und bedingt. Jungs Psychologie bietet das Instrumentarium, um das religiöse Fundament und Denken auf eine neue, zeitgemäße und faszinierende Weise zu deuten. Ohne in eine Patchworkreligion abzugleiten gibt sie den Schlüssel in die Hand für jene Synopsis der Weltreligionen, Mythen, gnostischen und alchemistischen Denkrichtungen und namentlich für die Verbindung von Psychologie und Religion.
In diesem Essay sollen drei Sichten des Guten und Bösen angesprochen werden:
Die Sicht von jenseitsorientierten monotheistischen und polytheistischen „Religionen“. Die Gnostik nimmt hier mit dem subtilen Ansatz der Demiurgen eine Art Zwischenstellung ein.
Die Sicht von der diesseitsorientierten Psychoanalytik von C.G. Jung mit dessen Gottesbegriff (Selbst) auch im Zusammenhang mit weiteren vom Individuum (z.B. im Buddhismus) oder der Natur ausgehenden, pantheistischen Gottesvorstellungen wie z.B. im Taoismus.
Die anthropologische oder humanistische Sicht einer eigenverantwortlichen Persönlichkeitsentwicklung als weitere Ergänzung speziell zur christlichen (katholischen) Sicht.
Ausgehend von der Annahme von C.G. Jung, dass wir die Energie der dunklen Seiten in uns produktiv einsetzen können und müssen, ist meine zentrale Frage, wie kann ich dies mit dem humanistische Menschenbild – edel sei der Mensch hilfreich und gut – und mit dem christlichen Menschenbild – Gut ist nur Gott – vereinbaren. Ging mit dem was, das Christentum „verteufelt“ hat und mit der Verteufelung des Christentum durch Freud, nicht viel Positives verloren?
Seit der Frühzeit in der Geschichte des Menschen finden wir die Vorstellung des „Jenseits“, welches von guten oder bösen Wesen bevölkert ist. Während in polytheistischen Glaubenssystemen und Kulturen die jenseitigen Mächte auch gleichzeitig gut und böse sein können wird in etablierten monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) das Böse eindeutig dem Teufel und das Gute eindeutig Gott zugeodnet auch eindeutig festgelegt, was als Gut und Böse zu gelten hat. Allerdings fragen sich nicht nur Theologen, sondern nahezu jeder Mensch dann Warum lässt Gott das Leid zu? Warum gibt es Kriege, Naturkatastrophen, Hunger, Seuchen, Gewalt in den Familien und in der Gesellschaft? Wenn Gott gut und allmächtig ist warum gibt es dann das Böse?
Das religiöse Weltbild ist grundlegend bestimmt durch die Polarität von Diesseits und Jenseits und dem vom sterblichen Leib und unsterblicher Seele. Im Gegensatz dazu steht das positivistische, seelenlose Weltbild eines (aufgeklärten) Materialismus. Im archaischen Mythen konnte der transzendente sensible Mensch dem Jenseits noch direkt und konkret begegnen, dem Eingang in die Unterwelt dem Feuer im Dornbusch. Fast alles konnte dem Menschen noch Zeichen geben, Sonne Mond und Sterne, Donner und Blitz, Tiere, Pflanzen, Flüsse und Berge. Der Teufel symbolisiert oder besser personifiziert zum Beispiel im Christentum alles was die Gesellschaft als das Böse betrachtet. Luther knüpft an Paulus und Augustin an: Gott ist nur gut, der Mensch ist seiner Natur nach böse (ist aber für seine Schuld verantwortlich, vgl. CA 2), er kann von sich aus nichts zu seinem Heil tun, alles hängt vom Glauben an Christus ab ( solus christus, sola gratia, sola fide, sola scriptura). In dieser Welt bleibt der Mensch simul iustus et peccator. C.G. Jung bemerkt im Protestantismus das Fehlen der von ihm positiv gesehenen Beichte im Vergleich zum katholischen Glauben zum Umgang mit der Sünde aber auch der für Ihn so wichtigen Rituale.
Mit der Zunahme des Wissens wurde diese Welt entzaubert. Dennoch, der Glaube an die Macht des Gestirns hat bis zur heutigen Zeit überlebt. Mit der Ablehnung des Jenseits erst wird das religiöse Weltbild zerbrochen. Der Mensch wird auf sich selbst zurückgeworden und ist „verdammt zur Freiheit“. Mit dem Atheismus und Materialismus wurde das Jenseits und das personifizierte Böse abgeschafft, bestenfalls als Hypothese erklärt, welches der aufgeklärte Mensch nicht mehr nötig hat.
Die Philosophen haben dieametral unterschiedliche Ansichten welche unser “heute” wesentlich bestimmen. Da ist die Vorstellung von J.J.Roussseau (18. Jarhundert) vom edlen Wilden, die von Karl May bis zu den deutschen Linken gepflegt wird: Der Mensch ist von Natur aus gut, die Gesellschaft lässt ihn böse werden.„Alles ist gut, was aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen.“ Bei T. Hobbes (1588-1679) ist der Mensch ist von Natur aus böse”. Oft ist das Böse in der Philosophe nur ein Irrtum oder ein Erkenntnisproblem wie z.B. Sokrates. In der Psychologie bzw. Verhaltensforschung bzw. Hirnforschung ist bei C.G. Jung das Böse das nicht integrierter „Schatten“, bei A. Adler entsteht das Böse “durch eine Fehlkompensation des Minderwertigkeitsgefühls”, und bei K. Lorenz: Das sogenannte Böse (1963). heisst es: “Die gegenwärtig existierende Spezies Mensch ist nicht mehr als „daslanggesuchte Zwischenglied zwischen dem Tiere und dem wahrhaft humanen Menschen“.Die Anthropologie Freuds erklärt das Böse aufgrund des Triebmodells. Zu dem sogenannten Todes- bzw. Destruktionstrieb kann die vom Menschen durch die Kultur geforderte Triebverdrängung (vor allem des Sexualtriebes) zu von der Gesellschaft als „böse“ erlebten Verhaltensweisen führen. Unerfüllbare Anforderungen der christlichen Moral, insbesondere aus der vom Christentum geforderten Verdrängung der Sexualität führen je nach Veranlagung zu Angst oder Aggression. Die Zeit nach der Aufklärung führte den drei Kränkungen des Menschen:
Kopernikanische Kränkung (Erde/Mensch nicht Zentrum der Welt).
Darwinistische Kränkung (Mensch nicht Krone der Schöpfung).
Freud (Mensch nicht Herr im eigenen Haus, das Ich vom Unbewussten fremdgesteuert).
Letztlich steht durch letzteres auch der freie Wille in Frage, das Universum erscheint sinnlos, zufällig und chaotisch und Religion ein illusionärer Versuch diese trostlose Realität des Lebens zu verleugnen. Der Teufel ist dann konsequenterweise eine Personifikation des menschlichen Trieblebens, ein Komplex im Unbewussten. C.G. Jung übernahm das vom Unbewussten gesteuerte Ich, bot aber ein Erlösung (oder Erleuchtung durch die Individuation an. Diese Seelenlosigkeit und Religionsfeindlichkeit lehnte C.G. Jung vehement ab. Er beschrieb „kollektiven Archetypen“ des Unbewussten im Sinne von oben erwähnten Weltbildern, ihre langlebiger zäher Natur und das sie von kultureller Identität und kulturübergreifend von allen Individuen getragen werden. Es ist eine Kernaussage und Basis seiner empirischen Forschung, dass Religionen den Menschen beachtliche Lebenshilfe bietet:
Opfer (als Handlungsgeschäft mit dem diesseitigen Wesen)
Offenbarung (sorgfältige Beobachtung von Zeichen durch Seher oder Propheten und daraus abgeleiteten Handlungsanweisungen)
Rituale (als Basis von Magie oder im christlichem Kontext dem Geheimnis des Glaubens).
Neben den Zeichen bewirken direkte Offenbarungen (Träume und Visionen) einen direkten Einblick in das Jenseits oder – nach C.G. Jung in das Unbewusste. In der Eucharistie ist der Wandlungsprozess in der Lage, gewöhnliches Brot und gewöhnlichen Wein in den heilbringenden Leib und das erlösende Blut Christi tz verwandeln der sich für den Menschen geopfert hat.
Schon Platon spricht von einem inneren Zwiespalt in der Seele des Menschen. Einem Pferdegespann, das einen schön und gut himmelwärts strebend, das andere Sitz der Begierden erdwärts ziehend. Das ist auch im Gegensatz zwischen weiblichen (materiellen) und männlichen (geistigen) Prinzip (und etwas neutraler mit Yin und Yang sichtbar. Für Paulus ist dieses untere Pferd, eine autonome Kraft das die Absichten des Hellen durchkreuzt und die niederen Seelenkräfte im Teufel oder in Dämonen personifiziert.
Diese autonomen Komplexe beschreibt C.G. Jung, aber in seiner Psychoanalytik kann der Mensch wie im Christentum erlöst werden, wie im Buddhismus zur Ganzheit gelangen. Der Zwiespalt in uns zwischen der hellen und dunklen Seite (dem Schatten), der göttlichen und der teuflischen Stimme wird durch die Individuation aufgelöst.
Hat auch Gott vielleicht zwei Seiten, eine gütige und eine grausame Seite der Gott Hiobs?. Wie schon in dem Essay “Das Böse bei Markus” und im Essay “Die Intelligenz des Bösen” beschrieben, ist das ist dieses Gottesbild analog zum Mensch durchaus zwiespältig. Beim genaueren Hinsehen, ging C.G. Jung insbesondere in seinem Buch „Antwort auf Hiob“auf unterschiedliche Gottesbilder insbesondere auf das alttestamentarische/jüdische und gnostische ein. Im Buch von Hiob erschein Gott eben nicht als reine Liebe, und der gnostische Gott Abraxas (siehe Essay)vereinigt Gut und Böse in einer Person. Die Vermengung von Schatten und Anima, die oft im Individuum vorkommt, hat Jung klarsichtig, als Ursache der häufigen Projektion des Bösen oder zumindest des Niederen auf das weibliche in Religionen beschrieben.
Der Mythos vom Engelssturz schildert wie Satan aus dem Himmel gestürzt wurde. Jung verwirft diese Mythen nicht wie Freud, sonder deutet die Mythen und insbesondere die Bibel symbolisch bzw. allegorisch. Nebenbei bemerkt, diese demilitarisierte Zone in der katholischer Lehre zwischen wörtlicher Bibelauslegung und allegorischem Bibelverständnis ist seit den Zelten des Ringens mit den Gnostikern sehr brisant. Der Engelssturz oder der vorangegangene Aufstand gegen Gott ist ein Evolutionsschritt, die Aufteilung zwischen Gut und Böse. Dadurch wird das Ich (vielleicht auch die Persona) heller, der Schatten aber umso dunkler. Die Abendländisch Kultur wurde auf der Vorderseite gerechter (römisches Recht) aber auf der Rückseite dunkler mit den gesamten Kräften die nicht mehr erreicht und kultiviert werden können. Nach Jung wird ohne Integration des Schattens – aber auch ohne eine Erlösung durch die katholische Mystik, welche er auf eine ähnliche Stufe stellt, die Destruktivität zunehmen. C.G. Jung betrachtet die Entmythologisierung z.B. des Protestantismus aber auch des Materialismus als etwas Barbarisches. Für Jung bilde die Seele die Basis des religiösen Bewusstseins das im Selbst zentriert ist. Als Empiriker und durchaus von Kant beeinflusst, sah er sein Fachgebiet nicht als kompetent an, metaphysische Aussagen zu treffen.
Es ist dieser Komplementaritäts- und Integrationsansatz von Jung, der uns Menschen in einer globalisierten, fragmentierten und anti-religiösen Welt helfen kann. Da sich unsere Welt immer schneller verändert und das Gute immer mehr durch das Böse herausgefordert wird, stellt sich für viele Menschen die Frage nach den kulturellen Wurzeln und der religiösen Identität wieder dringender und anhaltender. Es hilft nicht nur gegen das Böse sondern auch gegen die den Totalitarismus des Guten, das auch das Böse verursacht. Der nüchterne Schluss lautet, es kann in der Welt nicht nur Gutes oder Böses geben aber es gibt einen Unterschied.
Mit Abraxas (griechisch Ἀβρασάξ, Ἀβράξας) bezeichnete der ägyptische Gnostiker Basilides in Alexandria um das 2. Jahrhundert das Symbol des höchsten Urwesens, aus dem die fünf Urkräfte Geist(Nous), Wort ( Logos), Vorsehung (Phronesis), Weisheit(Sophia) und Macht sowie sittliche Vollkommenheit und innerer Friede hervorgingen.Basilides verarbeitete verschiedene christlich-jüdische, persische und neuplatonische Überlieferungen zu einem dualistischen Weltbild.
Das frühe Christentum war stark gnostisch geprägt, gnostische Richtungen gab es auch im Judentum, und sogar der Islam hat seine Gnostiker (die Sufis). Die Gnostiker gehen davon aus, dass der Kern eines jeden Menschen ein “göttlicher Funke” ist. Der göttliche Funke ist unsterblich, er existiert außerhalb von Raum und Zeit. Solange der Mensch aber seinen wahren Zustand nicht erkannt hat, bleibt er in dieser Welt gefangen und muss immer wieder in einem neuen Körper reinkarnieren. Immer wieder einmal kommt aber ein Gesandter aus der Lichtwelt (bei den gnostischen Christen spielt Christus diese Rolle) auf die materielle Ebene, um dafür reif gewordene Seelen mit der Lichtkraft Gottes zu verbinden und es ihnen zu ermöglichen, dem Zugriff des falschen Gottes, des Demiurgen, zu entkommen. Der abrahamitische Gott ist dieser Demiurg. Daher haben die gnostischen Christen der Frühzeit das alte Testament rundweg abgelehnt.
Die Gnostiker sehen Abraxas als obersten Gott, der Gutes und Böses in einer Entität vereint, der Jesus als Sohn des alttestamentarischen Gottes Jahweh auf die Welt entsandt hat. Ähnlich wie C. G. Jung das im Alten Testament beschriebene Buch Ijob (Hiob) in seinem “Antwort auf Hiob” interpetiert hat (dort ist Jahweh sehr ambivalent beschrieben und Satan sein missratener Sohn).Anhänger des Basilides glaubten, dass der Körper von Jesus Christus eine Illusion war,während hier auf Erde weilte.
Aus dieser obersten Gottheit den die Anhänger des Basilides anbeteten, dem „ungewordenen Vater“, emanierten sieben göttliche Kräfte (nach der Zahl der Planeten), das erste Geisterreich aus dem in allmählich abnehmender Klarheit 364 weitere Geisterreiche, jedes mit sieben „Äonen“, hervorgingen. Die gesamten Geisterreiche werden zusammengefasst in dem Geheimwort Abraxas oder Abrasax, weil es die sieben griechischen Buchstaben enthielt, die numerisch gerechnet der Zahl 365 entsprechen. Abraxas wird auch unter die ägyptischen Götter eingeordnet. Er wurde auf Amuletten mit einer Peitsche in seiner Hand dargestellt. worden. Das mystische Wort Abrakadabra war von seinem Namen abgeleitet. Diese gnostischen Symbole wurden von vielen Gesellschaften angenommen, die Magie und Alchimie betrieben.
C.G. Jung schrieb in “Die sieben Belehrungen der Toten” unter dem literarischen Namen diese Basilides über Abraxas. Nach C.G. Jung kann ohne das Satan verstanden und integriert wird – wie bei Abraxas – der Mensch nicht erlöst werden. Wie soll aber nun Satan, der das Böse repräsentiert, integriert werden? Nach Jung nur durch einen Weg, das Böse (den Schatten) in das Bewusstsein zu heben. Bevor wir uns nicht völlig bewußt sind, wie entfremdet unser sozialisierter Zustand ist und wie wenig er unseren tieferen spirituellen Bedürfnissen genügt, so lange werden wir die Individuation nicht erreichen, durch die erst eine weitere und reifere Persönlichkeit entsteht.
Die Toten kamen zurück von Jerusalem, wo sie nicht fanden, was sie suchten. Sie begehrten bei mir Einlass und verlangten bei mir Lehre und so lehrte ich sie: Höret, ich beginne beim Nichts. Das Nichts ist dasselbe wie die Fülle. In der Unendlichkeit ist voll so gut wie leer. Das Nichts ist leer und voll. Ihr könnt auch ebenso gut etwas anderes vom Nichts sagen, zum Beispiel es sei weiß oder schwarz oder es sei nicht, oder es sei. Ein Unendliches und Ewiges hat keine Eigenschaften, weil es alle Eigenschaften hat. Das Nichts oder die Fülle nennen wir das PLEROMA. Dort drin hört Denken und Sein auf, denn das Ewige und Unendliche hat keine Eigenschaften. In ihm ist keiner, denn er wäre dann vom Pleroma unterschieden und hätte Eigenschaften, die ihn als etwas vom Pleroma unterschieden. Im Pleroma ist nichts und alles: Es lohnt sich nicht über das Pleroma nachzudenken, denn das hieße: Sich selber auflösen. Die CREATUR ist nicht im Pleroma, sondern in sich. Das Pleroma ist Anfang und Ende der Creatur. Es geht durch sie hindurch, wie das Sonnenlicht die Luft überall durchdringt. Obschon das Pleroma durchaus hindurch geht, so hat die Creatur doch nicht Theil daran, so wie ein vollkommen durchsichtiger Körper weder hell noch dunkel wird durch das Licht, das durch ihn hindurch geht. Wir sind aber das Pleroma selber, denn wir sind ein Theil des Ewigen und Unendlichen. Wir haben aber nicht theil daran, sondern sind vom Pleroma unendlich weit entfernt, nicht räumlich oder zeitlich, sondern WESENTLICH, indem wir uns im Wesen vom Pleroma unterscheiden als Creatur, die in Zeit und Raum beschränkt ist. Indem wir aber Theile des Pleroma sind, so ist das Pleroma auch in uns. Auch im kleinsten Punkt ist das Pleroma unendlich, ewig und ganz, denn klein und groß sind Eigenschaften, die in ihm enthalten sind. Es ist dies Nichts, das überall ganz ist und unaufhörlich. Daher rede ich von der Creatur als einem Theile des Pleroma, nur sinnbildlich, denn das Pleroma ist wirklich nirgends geteilt, denn es ist das Nichts. Wir sind auch das ganze Pleroma, denn sinnbildlich ist das Pleroma der kleinste nur angenommene, nicht seiende Punkt in uns und das unendliche Weltgewölbe um uns. Warum aber sprechen wir denn überhaupt vom Pleroma, wenn es doch Alles und Nichts ist ? Ich rede davon, um irgendwo zu beginnen, und um Euch den Wahn zu nehmen, dass irgendwo außen oder innen ein von vornherein Festes oder irgendwie Bestimmtes sei. Alles sogenannte Feste oder Bestimmte ist nur verhältnismäßig. Nur das dem Wandel unterworfene ist fest und bestimmt. Das wandelbare aber ist die Creatur, also ist sie das einzig feste und bestimmte, denn sie hat Eigenschaften, ja sie ist selber Eigenschaft. Wir erheben die Frage: wie ist die Creatur entstanden? Die Creaturen sind entstanden, nicht aber die Creatur, denn sie ist die Eigenschaft des Pleroma selber, so gut wie die Nichtschöpfung, der ewige Tod. Creatur ist immer und überall, Tod ist immer und überall. Das Pleroma hat alles, Unterschiedenheit und Ununterschiedenheit. Die Unterschiedenheit ist die Creatur. Sie ist unterschieden. Unterschiedenheit ist ihr Wesen, darum unterscheidet sie auch. Darum unterscheidet der Mensch, denn sein Wesen ist Unterschiedenheit. Darum unterscheidet er auch die Eigenschaften des Pleroma, die nicht sind. Er unterscheidet sie aus seinem Wesen heraus. Darum muss der Mensch von den Eigenschaften des Pleroma reden, die nicht sind. Ihr sagt: Was nützt es, davon zu reden? Du sagtest doch selbst, es lohne sich nicht, über das Pleroma zu denken. Ich sagte Euch das, um Euch vom Wahne zu befreien, dass man über das Pleroma denken könne. Wenn wir die Eigenschaften des Pleroma unterscheiden, so reden wir aus unsrer Unterschiedenheit und über unsre Unterschiedenheit, und haben nichts gesagt über das Pleroma. Über unsere Unterschiedenheit aber zu reden ist notwendig, damit wir uns genügend unterscheiden können. Unser Wesen ist Unterschiedenheit. Wenn wir diesem Wesen nicht getreu sind, so unterscheiden wir uns ungenügend. Wir müssen darum Unterscheidungen der Eigenschaften machen. Ihr fragt: Was schadet es, sich nicht zu unterscheiden? Wenn wir nicht unterscheiden, dann geraten wir über unser Wesen hinaus, über die Creatur hinaus und fallen in die Ununterschiedenheit, die die andere Eigenschaft des Pleroma ist. Wir fallen in das Pleroma selber und geben es auf, Creatur zu sein. Wir verfallen der Auflösung im Nichts. Das ist der Tod der Creatur. Also sterben wir in dem Maße, als wir nicht unterscheiden. Darum geht das natürliche Streben der Creatur auf Unterschiedenheit, Kampf gegen uranfängliche, gefährliche Gleichheit. Dieß nennt man das PRlNCIPIUM INDIVIDUATIONIS. Dieses Princip ist das Wesen der Creatur. Ihr seht daraus, warum die Ununterschiedenheit und das Nichtunterscheiden eine große Gefahr für die Creatur ist. Darum müssen wir die Eigenschaften des Pleroma unterscheiden. Die Eigenschaften sind die GEGENSATZPAARE, als das Wirksame und das Unwirksame, die Fülle und die Leere, das Lebendige und das Tote, das Verschiedene und das Gleiche, das Helle und das Dunkle, das Heiße und das Kalte, Die Kraft und der Stoff, die Zeit und der Raum, das Gute und das Böse, das Schöne und das Häßliche, das Eine und das Viele. etc. Die Gegensatzpaare sind die Eigenschaften des Pleroma, die nicht sind, weil sie sich aufheben. Da wir das Pleroma selber sind, so haben wir auch alle diese Eigenschaften in uns; da der Grund unsres Wesens Unterschiedenheit ist, so haben wir die Eigenschaften im Namen und Zeichen der Unterschiedenheit, das bedeutet: Erstens: die Eigenschaften sind in uns von einander unterschieden und geschieden, darum heben sie sich nicht auf, sondern sind wirksam. Darum sind wir das Opfer der Gegensatzpaare. In uns ist das Pleroma zerrissen. Zweitens: Die Eigenschaften gehören dem Pleroma, und wir können und sollen sie nur im Namen und Zeichen der Unterschiedenheit besitzen oder leben. Wir sollen uns von den Eigenschaften unterscheiden. Im Pleroma heben sie sich auf, in uns nicht. Unterscheidung von ihnen erlöst. Wenn wir nach dem Guten oder Schönen streben, so vergessen wir unsres Wesens, das Unterschiedenheit ist und wir verfallen den Eigenschaften des Pleroma, als welche die Gegensatzpaare sind. Wir bemühen uns, das Gute und Schöne zu erlangen, aber zugleich auch erfassen wir das Böse und Hässliche, denn sie sind im Pleroma eins mit dem Guten und Schönen. Wenn wir aber unserm Wesen getreu bleiben, nämlich der Unterschiedenheit, dann unterscheiden wir uns vom Guten und Schönen, und darum auch vom Bösen und Hässlichen, und wir fallen nicht ins Pleroma, nämlich in das Nichts und in die Auflösung Ihr werfet ein: Du sagtest, dass das Verschiedene und Gleiche auch Eigenschaften des Pleroma seien. Wie ist es, wenn wir nach Verschiedenheit streben? Sind wir dann nicht unserm Wesen getreu? Und müssen wir dann auch der Gleichheit verfallen, wenn wir nach Verschiedenheit streben? Ihr sollt nicht vergessen, dass das Pleroma keine Eigenschaften hat. Wir erschaffen sie durch das Denken. Wenn Ihr also nach Verschiedenheit oder Gleichheit oder sonstigen Eigenschaften strebt, so strebt Ihr nach Gedanken, die Euch aus dem Pleroma zufließen, nämlich Gedanken über die nichtseienden Eigenschaften des Pleroma. Indem Ihr nach diesen Gedanken rennt, fallet Ihr wiederum ins Pleroma und erreicht Verschiedenheit und Gleichheit zugleich. Nicht euer Denken, sondern euer Wesen ist Unterschiedenheit. Darum sollt Ihr nicht nach Verschiedenheit, wie Ihr sie denkt, streben, sondern NACH EUERM WESEN. Darum giebt es im Grunde nur ein Streben, nämlich das Streben nach dem eigenen Wesen. Wenn Ihr dieses Streben hättet, so brauchtet Ihr auch gar nichts über das Pleroma und seine Eigenschaften zu wissen und kämet doch zum richtigen Ziele kraft eures Wesens. Da aber das Denken vom Wesen entfremdet, so muss ich Euch das Wissen lehren, womit Ihr euer Denken im Zaume halten könnet.
Sermo II
Die Toten standen in der Nacht den Wänden entlang und riefen: Von Gott wollen wir wissen, wo ist Gott? Ist Gott tot? Gott ist nicht tot, er ist so lebendig wie je. Gott ist Creatur denn er ist etwas Bestimmtes und darum vom Pleroma unterschieden. Gott ist Eigenschaft des Pleroma, und alles was ich von der Creatur sagte gilt auch von ihm. Er unterscheidet sich aber von der Creatur dadurch, dass er viel undeutlicher und unbestimmbarer ist, als die Creatur. Er ist weniger unterschieden als die Creatur, denn der Grund seines Wesens ist wirksame Fülle, und nur insofern er bestimmt und unterschieden ist, ist er Creatur, und insofern ist er die Verdeutlichung der wirksamen Fülle des Pleroma. Alles, was wir nicht unterscheiden, fällt ins Pleroma und hebt sich mit seinem Gegensatz auf. Darum, wenn wir Gott nicht unterscheiden, so ist die wirksame Fülle für uns aufgehoben. Gott ist auch das Pleroma selber, wie auch jeder kleinste Punkt im Geschaffenen und im Ungeschaffenen das Pleroma selber ist. Die wirksame Leere ist das Wesen des Teufels. Gott und Teufel sind die ersten Verdeutlichungen des Nichts, das wir Pleroma nennen. Es ist gleichgültig, ob das Pleroma ist, oder nicht ist, denn es hebt sich in allem selber auf. Nicht so die Creatur. Insofern Gott und Teufel Creaturen sind, heben sie sich nicht auf, sondern bestehen gegen einander als wirksame Gegensätze. Wir brauchen keinen Beweis für ihr Sein, es genügt, dass wir immer wieder von ihnen reden müssen. Auch wenn beide nicht wären, so würde die Creatur, aus ihrem Wesen der Unterschiedenheit heraus, sie immer wieder aus dem Pleroma heraus unterscheiden.Alles was die Unterscheidung aus dem Pleroma herausnimmt, ist Gegensatzpaar, daher zu Gott immer auch der Teufel gehört. Diese Zusammengehörigkeit ist so innig, und wie Ihr erfahren habet, auch in euerem Leben so unauflösbar, wie das Pleroma selber. Das kommt davon, dass die Beiden ganz nahe am Pleroma stehen, in welchem alle Gegensätze aufgehoben und eins sind. Gott und Teufel sind unterschieden durch voll und leer, Zeugung und Zerstörung. Das WIRKENDE ist ihnen gemeinsam. Das Wirkende verbindet sie. Darum steht das Wirkende über beiden und ist ein Gott über Gott, denn es vereinigt die Fülle und die Leere in ihrer Wirkung. Dies ist ein Gott, von dem Ihr nicht wusstet, denn die Menschen vergaßen ihn. Wir nennen ihn mit seinem Namen ABRAXAS. Er ist noch unbestimmter als Gott und Teufel. ABRAXAS Um Gott von ihm zu unterscheiden, nennen wir Gott HELIOS oder Sonne. Der Abraxas ist Wirkung, ihm steht nichts entgegen, als das Unwirkliche, daher seine wirkende Natur sich frei entfaltet. Das Unwirkliche ist nicht, und widersteht nicht. Der Abraxas steht über der Sonne und über dem Teufel. Er ist das unwahrscheinlich Wahrscheinliche, das unwirklich Wirkende. Hätte das Pleroma ein Wesen, so wäre der Abraxas seine Verdeutlichung. Er ist zwar das Wirkende selbst, aber keine bestimmte Wirkung, sondern Wirkung überhaupt. Er ist unwirklich wirkend, weil er keine bestimmte Wirkung hat. Er ist auch Creatur, da er vom Pleroma unterschieden ist. Die Sonne hat eine bestimmte Wirkung, ebenso der Teufel, daher sie uns viel wirksamer erscheinen als der unbestimmbare Abraxas. Er ist Kraft, Dauer, Wandel. Hier erhoben die Toten großen Tumult denn sie waren Christen.
Sermo III
Die Toten kamen heran wie Nebel aus Sümpfen und riefen: Rede uns weiter über den obersten Gott.Der Abraxas ist der schwer erkennbare Gott. Seine Macht ist die größte, denn der Mensch sieht sie nicht. Von der Sonne sieht er das summum bonum, vom Teufel das Infimum malum, vom Abraxas aber das in allen Hinsichten unbestimmte LEBEN, welches die Mutter des Guten und des Übels ist. Das Leben scheint kleiner und schwächer zu sein als das summum bonum, weshalb es auch schwer ist zu denken, dass der Abraxas an Macht sogar die Sonne übertreffe, die doch der strahlende Quell aller Lebenskraft selber ist. Der Abraxas ist Sonne und zugleich der ewig saugende Schlund des Leeren, des Verkleinerers und Zerstücklers, des Teufels. Die Macht des Abraxas ist zwiefach. Ihr seht sie aber nicht, denn in Euern Augen hebt sich das Gegeneinander gerichtete dieser Macht auf. Was Gott Sonne spricht, ist Leben, was der Teufel spricht, ist Tod. Der Abraxas aber spricht das verehrungswürdige und verfluchte Wort, das Leben und Tod zugleich ist. Der Abraxas zeugt Wahrheit und Lüge, Gutes und Böses, Licht und Finsternis im selben Wort, und in derselben Tat. Darum ist der Abraxas furchtbar. Er ist prächtig wie der Löwe im Augenblick, wo er sein Opfer niederschlägt. Er ist schön wie ein Frühlingstag. Ja, er ist der große Pan selber und der kleine. Er ist Priapos. Er ist das Monstrum der Unterwelt, ein Polyp mit tausend Armen, beflügeltes Schlangengeringel, Raserei. Er ist der Hermaphrodit des untersten Anfanges. Er ist der Herr der Kröten und Frösche, die im Wasser wohnen und ans Land steigen, die am Mittag und um Mitternacht im Chore singen. Er ist das Volle, das sich mit dem Leeren einigt. Er ist die heilige Begattung, Er ist die Liebe und ihr Mord, Er ist der heilige und sein Verräter. Er ist das hellste Licht des Tages und die tiefste Nacht des Wahnsinns. Ihn sehen, heißt Blindheit, Ihn erkennen heißt Krankheit, Ihn anbeten heißt Tod, Ihn fürchten heißt Weisheit, Ihm nicht widerstehen heißt Erlösung. Gott wohnt hinter der Sonne, der Teufel wohnt hinter der Nacht. Was Gott aus dem Licht gebiert, zieht der Teufel in die Nacht. Der Abraxas aber ist die Welt, ihr Werden und Vergehen selber. Zu jeder Gabe des Gottes Sonne stellt der Teufel seinen Fluch. Alles, was Ihr vom Gott Sonne erbittet, zeugt eine Tat des Teufels. Alles, was Ihr mit Gott Sonne erschafft, giebt dem Teufel Gewalt des Wirkens. Das ist der furchtbare Abraxas. Er ist die gewaltigste Creatur und in ihm erschrickt die Creatur vor sich selbst. Er ist der geoffenbarte Widerspruch der Creatur gegen das Pleroma und sein Nichts. Er ist das Entsetzen des Sohnes vor der Mutter. Er ist die Liebe der Mutter zum Sohne. Er ist das Entzücken der Erde und die Grausamkeit der Himmel. Der Mensch erstarrt vor seinem Antlitz. Vor ihm giebt es nicht Frage und nicht Antwort. Er ist das Leben der Creatur. Er ist das Wirken der Unterschiedenheit. Er ist die Liebe des Menschen. Er ist die Rede des Menschen. Er ist der Schein und der Schatten des Menschen. Er ist die täuschende Wirklichkeit. Hier heulten und tobten die Toten, denn sie waren Unvollendete.
Sermo IV
Die Toten füllten murrend den Raum und sprachen: Rede zu uns von Göttern und Teufeln, Verfluchter. Gott Sonne ist das höchste Gut, der Teufel das Gegenteil, also habt Ihr zwei Götter. Es gibt aber viele hohe Güter und viele schwere Übel, und darunter giebt es zwei Gottteufel, der eine ist das BRENNENDE und der andere das WACHSENDE. Das Brennende ist der EROS in Gestalt der Flamme. Sie leuchtet, indem sie verzehrt. Das Wachsende ist der BAUM DES LEBENS, er grünt, indem er wachsend lebendigen Stoff anhäuft. Der Eros flammt auf und stirbt dahin, der Lebensbaum aber wächst langsam und stetig durch ungemessene Zeiten. Gutes und Übles einigt sich in der Flamme. Gutes und Übles einigt sich im Wachstum des Baumes. Leben und Liebe stehen in ihrer Göttlichkeit gegeneinander. Unermesslich, wie das Heer der Sterne ist die Zahl der Götter und Teufel. Jeder Stern ist ein Gott und jeder Raum, den ein Stern füllt, ist ein Teufel. Das Leervolle des Ganzen aber ist das Pleroma. Die Wirkung des Ganzen ist der Abraxas, nur Unwirkliches steht ihm entgegen. Vier ist die Zahl der Hauptgötter, denn vier ist die Zahl der Ausmessungen der Welt. Eins ist der Anfang, der Gott Sonne. Zwei ist der Eros, denn er verbindet Zwei und breitet sich leuchtend aus. Drei ist der Baum des Lebens, denn er füllt den Raum mit Körpern. Vier ist der Teufel, denn er öffnet alles Geschlossene; er löst auf alles Geformte und Körperliche, er ist der Zerstörer, in dem Alles zu Nichts wird. Wohl mir, dass es mir gegeben ist, die Vielheit und Verschiedenartigkeit der Götter zu erkennen. Wehe Euch dass Ihr diese unvereinbare Vielheit durch den einen Gott ersetzt. Dadurch schafft Ihr die Qual des Nichtverstehens und die Verstümmelung der Creatur, deren Wesen und Trachten Unterschiedenheit ist. Wie seid Ihr eurem Wesen getreu, wenn Ihr das Viele zum Einen machen wollt? Was Ihr an den Göttern tut, geschieht auch an Euch. Ihr werdet alle gleich gemacht und so ist euer Wesen verstümmelt. Um des Menschen willen herrsche Gleichheit, aber nicht um Gottes willen, denn der Götter sind viele, der Menschen aber wenige. Die Götter sind mächtig, und ertragen ihre Mannigfaltigkeit, denn wie die Sterne stehen sie in Einsamkeit und ungeheurer Entfernung von einander. Die Menschen sind schwach und ertragen ihre Mannigfaltigkeit nicht, denn sie wohnen nahe beisammen und bedürfen der Gemeinschaft, um ihre Besonderheit tragen zu können. Um der Erlösung willen lehre ich Euch das Verwerfliche, um dessentwillen ich verworfen ward. Die Vielzahl der Götter entspricht der Vielzahl der Menschen. Unzählige Götter harren der Menschwerdung. Unzählige Götter sind Menschen gewesen. Der Mensch hat am Wesen der Götter teil, er kommt von den Göttern und geht zum Gotte. So, wie es sich nicht lohnt über das Pleroma nachzudenken, so lohnt es sich nicht, die Vielheit der Götter zu verehren. Am wenigsten lohnt es sich, den ersten Gott, die wirksame Fülle und das summum bonum, zu verehren. Wir können durch unser Gebet nichts dazu tun und nichts davon nehmen, denn die wirksame Leere schluckt alles in sich auf. Die hellen Götter bilden die Himmelswelt, sie ist vielfach und unendlich sich erweiternd und vergrößernd. Ihr oberster Herr ist der Gott Sonne. Die dunkeln Götter bilden die Erdenwelt. Sie sind einfach und unendlich sich verkleinernd und vermindernd. Ihr unterster Herr ist der Teufel, der Mondgeist, der Trabant der Erde, kleiner und kälter und toter als die Erde. Es ist kein Unterschied in der Macht der himmlischen und der erdhaften Götter. Die himmlischen vergrößern, die erdhaften verkleinern. Unermesslich ist beiderlei Richtung.
Sermo V
Die Toten spotteten und riefen: Lehre uns, Narr, von Kirche und heiliger Gemeinschaft. Die Welt der Götter verdeutlicht sich in der Geistigkeit und in der Geschlechtlichkeit. Die himmlischen erscheinen in der Geistigkeit, die erdhaften in der Geschlechtlichkeit. Geistigkeit empfängt und erfasst. Sie ist weiblich und darum nennen wir sie die MATER COELESTIS, die himmlische Mutter. Geschlechtlichkeit zeugt und erschafft. Sie ist männlich und darum nennen wir sie PHALLOS, den erdhaften Vater. Die Geschlechtlichkeit des Mannes ist mehr erdhaft, die Geschlechtlichkeit des Weibes ist mehr geistig. Die Geistigkeit des Mannes ist mehr himmlisch, sie geht zum Größeren. Die Geistigkeit des Weibes ist mehr erdhaft, sie geht zum Kleineren. Lügnerisch und teuflisch ist die Geistigkeit des Mannes, die zum Kleineren geht. Lügnerisch und teuflisch ist die Geistigkeit des Weibes, die zum Größern geht. Jeder gehe zu seiner Stelle. Mann und Weib werden aneinander zum Teufel, wenn sie ihre geistigen Wege nicht trennen, denn das Wesen der Creatur ist Unterschiedenheit. Die Geschlechtlichkeit des Mannes geht zum Erdhaften, die Geschlechtlichkeit des Weibes geht zum Geistigen. Mann und Weib werden aneinander zum Teufel, wenn sie ihre Geschlechtlichkeit nicht trennen. Der Mann erkenne das Kleinere, das Weib das Größere. Der Mensch unterscheide sich von der Geistigkeit und von der Geschlechtlichkeit. Er nenne die Geistigkeit Mutter und setze sie zwischen Himmel und Erde. Er nenne die Geschlechtlichkeit Phallos und setze ihn zwischen sich und die Erde, denn die Mutter und der Phallos sind übermenschliche Dämonen und Verdeutlichungen der Götterwelt. Sie sind uns wirksamer als die Götter, weil sie unserm Wesen nahe verwandt sind. Wenn Ihr Euch von Geschlechtlichkeit und von Geistigkeit nicht unterscheidet und sie nicht als Wesen über Euch und um Euch betrachtet, so verfallt Ihr ihnen als Eigenschaften des Pleroma. Geistigkeit und Geschlechtlichkeit sind nicht Eure Eigenschaften, nicht Dinge, die Ihr besitzt und umfasst, sondern sie besitzen und umfassen Euch, denn sie sind mächtige Dämonen, Erscheinungsformen der Götter, und darum Dinge, die über Euch hinaus reichen und an sich bestehen. Es hat einer nicht eine Geistigkeit für sich oder eine Geschlechtlichkeit für sich, sondern er steht unter dem Gesetz der Geistigkeit und der Geschlechtlichkeit. Darum entgeht keiner diesen Dämonen. Ihr sollt sie ansehen als Dämonen und als gemeinsame Sache und Gefahr, als gemeinsame Last, die das Leben euch aufgebürdet hat. So ist Euch auch das Leben eine gemeinsame Sache und Gefahr, ebenso auch die Götter und zuvorderst der furchtbare Abraxas. Der Mensch ist schwach, darum ist Gemeinschaft unerläßlich; ist es nicht die Gemeinschaft im Zeichen der Mutter, so ist es sie im Zeichen des Phallos. Keine Gemeinschaft ist Leiden und Krankheit. Gemeinschaft in jeglichem ist Zerrissenheit und Auflösung. Die Unterschiedenheit führt zum Einzel sein. Einzel sein ist gegen Gemeinschaft. Aber um der Schwäche des Menschen willen gegenüber den Göttern und Dämonen und ihrem unüberwindlichen Gesetz ist Gemeinschaft nötig. Darum sei so viel Gemeinschaft als nötig, nicht um der Menschen willen, sondern wegen der Götter. Die Götter zwingen Euch zur Gemeinschaft. So viel sie Euch zwingen, so viel Gemeinschaft tut not, mehr ist von Übel. In der Gemeinschaft ordne sich jeder dem andern unter, damit die Gemeinschaft erhalten bleibe, denn Ihr bedürft ihrer. Im Einzel sein ordne sich einer dem andern über, damit jeder zu sich selber komme und Sklaverei vermeide. In der Gemeinschaft gelte Enthaltung, im Einzel sein gelte Verschwendung. Die Gemeinschaft ist die Tiefe, das Einzel sein ist Höhe. Das richtige Maß in Gemeinschaft reinigt und erhält. Das richtige Maß im Einzel sein reinigt und fügt hinzu. Die Gemeinschaft giebt uns die Wärme, das Einzel sein giebt uns das Licht.
Sermo VI
Der Dämon der Geschlechtlichkeit tritt zu unsrer Seele als eine Schlange. Sie ist zur Hälfte Menschenseele und heißt Gedankenwunsch. Der Dämon der Geistigkeit senkt sich in unsre Seele herab als der weiße Vogel. Er ist zur Hälfte Menschenseele und heißt Wunschgedanke. Die Schlange ist eine erdhafte Seele, halb dämonisch, ein Geist und verwandt den Geistern der Toten. Wie diese, so schwärmt auch sie herum in den Dingen der Erde und bewirkt, dass wir sie fürchten, oder dass sie unsere Begehrlichkeit reizen. Die Schlange ist weiblicher Natur und sucht immer die Gesellschaft der Toten, die an die Erde gebannt sind, solche, die den Weg nicht hinüberfanden, nämlich ins Einzel sein. Die Schlange ist eine Hure und buhlt mit dem Teufel und mit den bösen Geistern, ein arger Tyrann und Quälgeist, immer zu übelster Gemeinschaft verführend. Der weiße Vogel ist eine halbhimmlische Seele des Menschen. Sie weilt bei der Mutter und steigt bisweilen herab. Der Vogel ist männlich und ist wirkender Gedanke. Er ist keusch und einsam, ein Bote der Mutter. Er fliegt hoch über die Erde. Er gebietet das Einzel sein. Er bringt Kunde von den Fernen, die vorangegangen und vollendet sind. Er trägt unser Wort herum in den Dingen der Erde und bewirkt, dass wir sie fürchten, oder dass sie unsere Begehrlichkeit reizen. Die Toten blickten mit Verachtung und sprachen: Höre auf von Göttern, Dämonen und Seelen zu reden. Das wussten wir im Grunde schon längst.
Sermo VII
Des Nachts aber kamen die Toten wieder mit kläglicher Gebärde und sprachen: Noch eines, wir vergaßen davon zu reden, lehre uns vom Menschen. Der Mensch ist ein Thor, durch das Ihr aus der Außenwelt der Götter, Dämonen und Seelen eintretet in die Innenwelt, aus der größeren Welt in die kleinere Welt. Klein und nichtig ist der Mensch, schon habt Ihr ihn im Rücken, und wiederum seid Ihr im unendlichen Raume, in der kleineren oder inneren Unendlichkeit.In unermesslicher Entfernung steht ein einziger Stern im Zenith. Dies ist der eine Gott dieses Einen, dies ist seine Welt, sein Pleroma, seine Göttlichkeit. In dieser Welt ist der Mensch der Abraxas, der seine Welt gebiert oder verschlingt. Dieser Stern ist der Gott und das Ziel des Menschen. Dies ist sein einer führender Gott, in ihm geht der Mensch zur Ruhe, zu ihm geht die lange Reise der Seele nach dem Tode, in ihm erglänzt als Licht alles, was der Mensch aus der größeren Welt zurückzieht. Zu diesem einen bete der Mensch. Das Gebet mehrt das Licht des Sternes, es schlägt eine Brücke über den Tod, es bereitet das Leben der kleineren Welt, und mindert das hoffnungslose Wünschen der größeren Welt. Wenn die größere Welt kalt wird, leuchtet der Stern. Nichts ist zwischen dem Menschen und seinem einen Gotte, sofern der Mensch seine Augen vom flammenden Schauspiel des Abraxas abwenden kann. Mensch hier, Gott dort. Schwachheit und Nichtigkeit hier, ewige Schöpferkraft dort. Hier ganz Dunkelheit und feuchte Kühle, dort ganz Sonne. Darauf schwiegen die Toten und stiegen empor wie Rauch über dem Feuer des Hirten, der des Nachts seiner Herde wartete. ANAGRAMMA: NAHTRIHECCUNDE GAHINNEVERAHTUNIN ZEHGESSURKLACH ZUNNUS
Astrology is still of those darkened avenues considered off-limits of science. In his research into the symbolic meaning of his patient’s dreams, conversations and paintings, Jung observed recurring mythical themes. Jung concluded that the constellations were originally inspired by projections of images created by the collective unconscious. Jung wrote “Astrology represents the sum of all the psychological knowledge of antiquity”. It is worth to mention, that in Babylonian times there was no difference between a priest and a doctor and up to the time of the Astronomer Kepler little difference between Astrology and Astronomy. C.G. Jung referred in his book “Aion” three times to Kepler and his use of archetypes: “Johannes Kepler recognized the Trinity as underlying the structure of the universe in other words, when he assimilated this archetype into the astronomer’s picture of the world.” Kepler, the father of the progressive horoscope (secondary directions), assumed that in God and every human basic structures exits, which he called Archetypes possibly using indirectly via texts in Arabic similar sources of the neo-platonic philosophy as Jung did.
C. G. Jung and astrology
Kepler and Jung – both combining being outstanding scientists and mystics – agree in this more consultative approach to astrology rather than the prognostic approach. The latter is indeed a superstition, which has been rightly discarded by science and Christianity. Jung, definitely a Gnostic, considered himself, first and foremost, a doctor and healer (shaman) of the psyche. So when Jung believed it necessary to travel down and explore a certain avenue in order to gain a better understanding of the psyche, then he just did it. Subsequently C. G. Jung has often been charged him with the “crime” of mixing mysticism with science. After Freud’s and Jung’s later famous breakup in 1913, and the resulting a deep crises Jung went in the direct direction in which he put his experiences in the Red Book and the Black Books. The former has been published recently which were not published for forty years. But even before, according to “The Freud/Jung Letters” (Abridged Edition 1979) May of 1911 Dr. Carl Jung wrote his (at that time) mentor Sigmund Freud saying: “At the moment I am looking into astrology, which seems indispensable for a proper understanding of mythology. There are strange and wondrous things in these lands of darkness.” Jung’s calculating of horoscopes continued on during the rest of his long and productive life. (Born: 1875, Died: 1961) It’s further known that, when challenged by an especially perplexing case, Jung would arrange to have the patient’s birth chart cast in order to gain more insight into the individual.
C. G Jung’s synchronity and theoretical physics
In collaboration with his friend and theoretical physicist Wolfgang Pauli, Jung developed the theory of synchronicity. Like Kepler he defines astrological claims of correlations between the position of heavenly bodies at the time of birth and an individual’s development as being a- causal and not directly caused by the planets. Pauli saw this obvious connection: “Der Vorgang des Verstehen der Natur sowie auch die Beglückung, die der Mensch beim Verstehen, d.h. beim Bewusstwerden einer neuen Erkenntnis empfindet, scheint demnach auf einer Entsprechung, einem Zur-Deckung-Kommen von präexistenten inneren Bildern der menschlichen Psyche mit äußeren Objekten und ihrem Verhalten zu beruhen. Diese Auffassung der Naturerkenntnis geht bekanntlich auf Plato zurück und wird, wie wir sehen werden, auch von Kepler in sehr klarer Weise vertreten. Dieser spricht in der Tat von Ideen, die im Geist Gottes präexistent sind, und die der Seele als dem Ebenbild Gottes mit-ein-erschaffen wurden. Diese Urbilder, welche die Seele mit Hilfe eines angeborenen Instinktes wahrnehmen könne, nennt Kepler archetypisch. Die Übereinstimmung mit den von C.G. Jung in die moderne Psychologie eingeführten, als “Instinkte des Vorstellens” funktionierenden “urtümlichen Bildern” oder Archetypen ist eine sehr weitgehende. ” C.G. Jung stated this principle of the “synchronicity” in which the relation of a cause and effect is not valid. A certain timely correlation of events shows an individual a special alignment, which reveals to this individual an important meaning. The coincidental occurrence of events and especially psychic events (as similar thoughts in widely separated persons or a mental image of an unexpected event before it happens) that seem related but are not explained by conventional mechanisms of causality are not used only in the psychology of C. G. Jung. Even most science-oriented, rationality driven persons may admit having had such an experience and obviously this is a basic concept of Astrology (and Eastern believe systems). For every other observer of the same event it would be only a fortuitous event, with no special meaning, because no synchronous connection to this event exists. In contrast to it are events, which have a recognizable causal connection: Because we stepped on the accelerator of our car, it speeds up or, in the psychological sense, because we were disappointed or injured, we react furiously or cry. I would not like to understand the term of the synchronicity here only in the strict Jung sense, which saw this as a phenomenon connected to the process of individuation of humans only. For C.G. Jung synchronous events were revealing something of the direction for our personal journey through life at a point of time which we had gotten off our way or believed to have lost it. This can be easily broadened in religious experience and for some to astrology concepts.
C. G. Jung and Eastern teachings
In a letter written to written to Hindu astrologer, B.V. Raman, September 6th 1947 – Dr. Jung wrote: “Since you want to know my opinion about astrology I can tell you that I’ve been interested in this particular activity of the human mind since more than 30 years. As I am a psychologist, I am chiefly interested in the particular light the horoscope sheds on certain complications in the character. In cases of difficult psychological diagnosis I usually get a horoscope in order to have a further point of view from an entirely different angle. I must say that I very often found that the astrological data elucidated certain points which I otherwise would have been unable to understand. From such experiences I formed the opinion that astrology is of particular interest to the psychologist, since it contains a sort of psychological experience which we call ‘projected’ – this means that we find the psychological facts as it were in the constellations.”
C. G. Jung and Kepler
We already mentioned Kepler’s two personas: Kepler the consummate scientist or Kepler the mystic geometer. One may take note of Kepler’s interest in archetypes and astrology without concluding that his method was unscientific; indeed, C.G. Jung proposed that Kepler’s aesthetic conception of the world was instrumental in overcoming the pagan approach to nature. Current Kepler scholarship tends to acknowledge that there is a relationship between Kepler’s scientific and “unscientific” interests, and studies on his metaphysics, and his astrology (e.g., Rosen 1984) have appeared. In addition, several texts have explored his astrology and archetypal cosmology in relation to his astronomy and have indicated the importance of these interests in Kepler’s conversion to Copernicanism. Kepler appealed to his archetypes when his physical arguments failed. I found those aspects of the relationship between Kepler’s metaphysics, and physical astronomy with C.G. Jung’s concepts most revealing. Briggs and Myers adapted Jung’s four psychological types which were based on the four elements of classical cosmology on which the zodiac was structured.The fundamental claim of the so called archetypal astrology, which goes maybe too far, is that each planet is thought to be associated with a planetary archetype that possesses a range of related meanings. Several astrologers as well as psychologists pursued Jung’s theories in their writings, teachings and practice like Dane Rudhyar. Liz Greene and Howard Sasportas founded the Centre for Psychological Astrology in London.
C.G. Jung and alchemy
C.G. Jung understood quit well Christian alchemical symbolism. Rediscovering Hellenism the renaissance created in the sixteenth and seventeenth centuries the age of science. C.G. Jung: “But just as every mother was once a daughter, so too was alchemy. “
Alchemy owes its real beginnings to the Gnostic systems, based on Greek philosophy and the mythologies of the Near and Middle East, together with Christian dogmatism and Jewish cabalism. Those were attempts, to synthesize a unitary vision of the world in which the physical and the mystical aspects played equal parts. Translated to Christian thinking it can be said that beginning with Kepler, there were attempts to interpret and understand Nature (and Astrology) with an adequate knowledge of natural processes. In the course of the eighteenth century, there arose the break between faith and knowledge. Faith lacked experience and science missed out the soul. Instead, especially Western science believed fervently in absolute objectivity and overlooked the fundamental difficulty that the real vehicle and be getter of all knowledge is the psyche and religion. Three large volumes of Jung’s Collected Works were devoted to alchemy and alchemical symbols in relation to the development of the human psyche and individuation. It might appear to the casual observer that somewhere along the line, Jung’s focus and line of investigation gradually changed over from astrology to the lesser known alchemy. The alchemists of the Renaissance period were well trained in the discipline of astrology as they were in alchemy and refer constantly to astrological images and symbolism as does C.G. Jung. Kepler believed that the world was created by God to express divine aesthetics, what Kepler called “Archetypes.” This aesthetics was essentially geometrical in nature. If one knows the details of God’s aesthetics, then one can infer a priori certain structural features of the world–for example, whether the world is Copernican or Ptolemaic. Conversely, if one knows the structural features of the world, then one can gain access to God’s aesthetic plan. Similarly, C.G. Jung states in a true Gnostic way, if one knows conscious the structural features of the own psyche, one can gain access to God.
Heinz Artur Strauß,Sigrid Strauss-Kloebe: Die Astrologie des Johannes Kepler.
Kepler, Johannes: Von den gesicherten Grundlagen der Astrologie. Chiron-Verlag, Mössingen 1999
Jolande Jacobi: Komplex, Archetypus, Symbol in der Psychologie C.G. Jungs. Zürich 1957
Wolfgang Pauli: Der Einfluss archetypischer Vorstellungen auf die Bildung naturwissenschaftlicher Theorien bei Kepler (Zürich)
W. Pauli, C.G. Jung: Naturerklärung und Psyche. Zürich 1952
“In Jung: A Biography”, is mentioned that Jung was an OSS Agent. He secretly worked for the Office of Strategic Services (OSS), which was the predecessor to the CIA. His first contact with the OSS was through his patient Mary Bancroft. The celebrated psychologist Carl Gustav Jung cured Bancrofts asthma through analysis and became a lifelong friend. The relationship of the exceptionally extroverted woman with Jung was summarized in her New York Times obituary: “To Jung … her appeal was textbook obvious”. In his scheme of things she was an extroverted intuitive like he was. The list of Bancroft’s male consorts over time included besides Dulles the film director Woody Allen, and Time magazine CEO Henry R. Luce.
Bancroft, in German and good with people was recruited by Dulles to serve as an intelligence analyst for the United States Office of Strategic Services (OSS) from 1941 to 1945, while living and working in Zurich.Dulles was the OSS chief in Switzerland and later became the first Director of the CIA. It seems that Dulles’s had relationship with Mary Anne Bancroft, which then also belonged to the circle of friends of C.G. Jung.
The Role of Mary Bancroft
The Intelligence Liaison: Bancroft was an American expatriate, journalist, and daughter of the publisher of The Wall Street Journal. During WWII, she was recruited by Allen Dulles into the Office of Strategic Services (OSS) to translate German documents and evaluate German resistance members. She also became Dulles’s romantic partner and closest wartime confidante.
The Clinical Connection: Simultaneously, Bancroft suffered from psychosomatic symptoms and became a dedicated patient (analysand) of Carl Jung. Jung successfully treated her, and they developed a deep, lifelong intellectual friendship.
The Messenger: Recognizing the value of Jung’s insights into the German collective psyche, Dulles utilized Bancroft to safely channel information back and forth. Jung would share his psychological evaluations of Adolf Hitler and other Axis leaders with Bancroft during their sessions or social interactions. She would then directly convey these high-level insights to Dulles.
The Zurich Psychoanalytic Circle
The social dynamics in Zurich further support your view. Far from being a clinical secret, the connection existed within a tight-knit community: [1]
Toni Wolff’s Circle: Bancroft was an active participant in Jung’s inner circle, known as the Psychological Club in Zurich. While some members of the club found the highly eccentric, extroverted Bancroft difficult to handle, Toni Wolff actually liked her and personally invited Bancroft to write and present academic papers to the group.
Wartime Security: This insular psychoanalytic network provided the perfect cover for espionage. Because it was completely normal for Bancroft to spend hours discussing psychology with Jung and Wolff, Nazi counter-intelligence operating in neutral Switzerland never realized she was executing intelligence operations for the American governmen
In 1941, during World War II, Jung’s job was to analyze the psychology of leaders. In return Jung became privy to top-secret Allied intelligence. It has come to light that C. G. Jung operated as “Agent 488” for and his handler, Allen W. Dulles, later remarked: “Nobody will probably ever know how much C.G. Jung contributed to the allied cause during the war.” Jung became an important advisor of the US and sent ideas to Eisenhower, how the Germans could be persuaded psychologically of the uselessness of resistance against the allied forces. In 1945, General Dwight Eisenhower read Jung’s ideas for persuading the German public to accept defeat. Allan Dulles relied on Jung’s psycholgical advice, including Jung’s prediction that Hitler would kill himself. Such a characterization of Hitler, Stalin and Mussolini can be found in C.G. Jung speaking, Bollinger Press.
The specific interview is titled “Diagnosing the Dictators,” conducted in October 1938 by cosmopolitan journalist H.R. Knickerbocker. In this text, Jung provided the foundational psychological breakdowns that he would later elaborate on for Allen Dulles and the OSS during the war.
1. Adolf Hitler: The Medicine Man and Shaman
Jung explicitly categorized leaders into two archetypes: the “chief” (ruler by muscle/power) and the “medicine man” (ruler by magic/revelation). He placed Hitler entirely in the mystic category.
The “Empty” Mirror: Jung noted that in private conversation, Hitler was completely unoriginal, uninteresting, and lacked true human warmth. He described him as a “shaman” or a “prophet” who had no personal ego or individual strength.
Possessed by the Collective Unconscious: Jung famously wrote that Hitler did not lead; he was merely “the loudspeaker that magnifies the inaudible whispers of the German soul.” He was completely possessed by the collective mythos of his country.
The Prediction: Because Hitler was entirely reliant on this irrational, mystical momentum, Jung recognized that any interruption to his momentum would break his psychological spell. This led to his later accurate prediction to Dulles: when faced with inevitable, catastrophic defeat, a personality structure like Hitler’s would collapse entirely into self-destruction (suicide).
2. Joseph Stalin: The Saber-Toothed Tiger
Jung’s evaluation of Stalin was completely different and highlighted a man who ruled by calculated, brutal physical dominance. [1]
The Cruel Autocrat: Jung wrote that Stalin was not a mystical prophet or an original thinker. Instead, he described him as a “sly, malevolent peasant with animal instincts”.
The Beast of Prey: Jung vividly compared Stalin to a “saber-toothed tiger with his powerful neck and lush mustache”. He viewed Stalin as a classic “chief”—a ruthless bureaucrat and absolute ruler who maintained power through systemic terror, calculation, and raw physical force, entirely distinct from Hitler’s erratic, emotional mysticism.
3. Benito Mussolini: The Roman Boss
Jung viewed Mussolini as the most human and mentally stable of the three, operating outside of both mysticism and animalistic paranoia.
The Man of Style: Jung described Mussolini as a man of great physical warmth, energy, and genuine personality. Unlike Hitler, who seemed entirely hollow outside of his speeches, Mussolini possessed an authentic, independent ego.
The Classical Roman: Jung viewed Mussolini not as a possessed prophet, but as a classic Roman padrone or boss. He was an opportunist and a politician who put on a grand theater performance for the public, but remained distinctly human behind the scenes.
Autobiographical Record: Autobiography of a Spy (1983) by Mary Bancroft (Her first-hand account of managing her relationships with Jung and Dulles). Historical Analysis: The Shrink as Secret Agent: Jung, Hitler, and the OSS (Daily Beast / Historical Archives). For more context on the espionage connections, explore the biographical archives of the Kairos Film Foundation or read historical analyses in publications like The Daily Beast.