Tag: Spiritual

  • König, Krieger, Magier und Liebhaber. C.G. Jung. Männliche Archetypen.

    König, Krieger, Magier und Liebhaber. C.G. Jung. Männliche Archetypen.

    Sunday, May 29, 2011, 23:14

    Auf C.G. Jung basierende Exerzitien in St. Ottilien. Brilliante Darstellung und eine brilliante Gruppe – Ärzte, Politiker, Juristen, Architekten und Ingenieure. Es scheint die Kirche zieht heute im Verborgenen Suchende an. Die Frage an diesem Wochende war, was sind eigentlich meine männliche Archetypen?
    Als  interessante Leitlinie stellte Pater Otto mit der Auseinandersetzung mit seelischen Vorbildern (von C. G. Jung Archetypen genannt) vor. Pater Otto war damals Kandidat und ist heute diplomierter nach C.G. Jung ausgebildeter  Psychologe.

    Basierend auf dem Buch von Robert Moore, Douglas Gillette und Richard Rohr erschienenen Buch (Rezension in Englisch),  setzten wir uns mit diesen vier männlichen Grundqualitäten (Archetypen) auseinander: König, Krieger, Magier und Liebhaber.
    Archetypen sind Urbilder der Menschheit. Seit Jahrtausenden sammeln wir Menschen Erfahrungen wie z.B. die Helle des Tages und das Dunkel der Nacht, der Wechsel der Jahreszeiten, der Lauf des Mondes deren ewiger Rhythmus sich tief in unser Bewusstsein eingeprägt hat. Der Schweizer Psychologe C.G. Jung (1875-1961) bezeichnete diese ursprünglichen geistigen Bilder, die allen Menschen gemeinsam sind und seit jeher in Mythen, Legenden und Träumen lebendig waren, als Archetypen, die im kollektiven Unbewussten fest verankert sind.
    Nach Jung gibt es neben unserem individuellen Bewusstsein ein so genanntes kollektives Unbewusstes. Dieser Teil unseres Bewusstseins befasst sich mit dem Fundamentalen der Existenz, mit Geburt, Leben und Tod, Hunger, mit unseren angeborenen Anlagen und Verhaltensmustern. Diese allen Menschen gemeinsamen Symbolformen gehen weit über die durch unsere Sprache gesetzten Grenzen hinaus und spielen in unseren Träumen, Visionen und Grundverhaltensmustern eine sehr bedeutende Rolle.

    Die Frage wie ich die Rollen als Mann, Ehemann, Vater vereinen kann, begleitet mich mindestens seit ich Vater bin, also zwanzig Jahre. Vor 20 Jahren las ich in den USA das Buch des amerikanische Dichter Robert Bly mit dem Buch „Iron John”. Die auf dem gleichnamigen Märchen basierende Betrachtung moderner Männlichkeit schlug damals in den USA wie in Deutschland gleichermaßen Wellen.

    Die Väter und Männerbewegung ebbte wieder ab und schlief ein, als die Genderpolitik völlig Oberhand gewann. Die Aufbruchstimmung der neunziger Jahre wich einem permanenten Getriebensein durch Angst vor Verlust von Arbeitsplatz, Wohlstand und männlicher Identität. Dabei war die Stoßrichtung der „Männerbewegung” darauf ausgerichtet, sich auch in unsicheren Zeiten sicher zu fühlen und das auch an Söhne und Töchter, aber besonders Söhne weiterzugeben. Eben von innen heraus und nicht durch äußere Umstände gegeben.

    Basierend auf dem o.g. Buch von Robert Moore sind die Archetypen König, Krieger, Magier, Liebhaber Grundmuster gereifter Männlichkeit. Die psychologischen Studien, die zur Benennung der vier Archetypen führen, ihre Namen sind von den vier grundlegenden Strukturen abgeleitet, die in dynamischem Wechselspiel das Tiefengefüge der mannlichen Psyche bilden. Sie wurden erstmalig am G.Jung Institute of Chicago vorgestellt. Das Buch beruht auf seiner Vorstellung vom archetypischen Selbst, erweitert jedoch das Verstandnis der männlichen Psyche über C.G. Jung hinaus.  Jede dieser vier Qualitäten besitzt eine Licht- und eine Schattenseite wie immer bei den Jungschen Archetypen:

    • Der König: Verantwortung, Sicherheit

    Männer mit reifer Königs Energie wirken stark, gefestigt, gelassen, tolerant, großherzig, erreichbar, ansprechbar. Sie sind wohlwollend streng, stärken anderen den Rücken, können loben und andere anerkennen. Als Schattenform demonstiert der Tyrann seine eigene Wichtigkeit und Macht, verspottet und setzt andere herab, entwürdigt und verbreitet Angst. Der Schwächling weigert sich Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden, gibt jedem Recht, lässt alles zu und hat Angst vor Konfrontationen und dem Unbekannten.

    • Der Krieger: Mut, Konzentration, Motivation

    Männer mit starker Krieger Energie sind bereit, sich für ein wichtiges Ziel voll einzusetzen. Sie sind zielbewusst, ausdauernd, und bereiten sich gut auf ihre Herausforderungen vor. Sie beherrschen ihre Werkzeuge und handeln. Als Schattenformen ist der  Sadist hart, brutal, kämpft ohne Rücksicht auf Verluste und Sinn des Kampfes, fühlt sich schnell angegriffen, überflutet von Spannung, Angst, Wut. Er ist aggressiv und hasst (seine eigene) Schwäche, Verletzlichkeit, Hilflosigkeit.Der Masochist lässt scheut Herausforderungen und Auseinandersetzungen; er ist passiv aggressiv, kämpft ungeübt und ungeschickt, gibt schnell nach oder wird unter Druck aggressiv.

    • Der Magier: Wissender, Lehrender

    Männer mit starker Magier Energie wollen mehr wissen, sie lernen und vertiefen sich in ihre Materie. Sie verschaffen sich Hintergrundinformationen und sinnvolle Alternativen, suchen Zugang zu inneren Kräften und zur Weisheit des Unbewussten. Sie erarbeiten sich damit ihre innere Basis, um Wissen fundiert weitergeben. Als Schattenform erkennt der der Manipulant nur seinem eigenen Vorteil, spielt seine Spielchen zum Nachteil andere, intrigiert und setzt Gerüchte in die Welt. Der Ahnungslose „funktioniert“ oberflächlich ohne Selbsterkenntnis und  hinterfrägt nichts.

    • Der Liebhaber:  Leidenschaft, Einfühlungsvermögen

    Die Liebhaber Energie eines Mannes zeigt sich in seiner Begeisterungsfähigkeit, Sinnlichkeit, Liebesfähigkeit und Leidenschaft. Als Schattenformen geht der Süchtige geht völlig auf in positiven oder negativen Empfindungen unter, übernimmt keine Verantwortung für sich und andere,  braucht permanente Stimulation,ist  ruhelos und rastlos. Der Lieblose lebt kalt und leidenschaftslos innerhalb enger Grenzen, ohne Spontaneität,  Liebe und Enthusiasmus, hat Angst sich gehen zu lassen und die Kontrolle zu verlieren.

    König, Krieger, Magier und Liebhaber sind in einer gewissen Mischung in mehr oder weniger reifen Formen zu finden. Der unreife König ist eher damit beschäftigt, sein Reich ständig zu vergrößern als gut für das vorhandene zu sorgen. Der unreife Krieger (+) verausgabt sich und ist besoffen von der eigenen Kraft, oder ist wie heute in Deutschland eher  (-) der “Frauenversteher” der lange bei der Mama wohnt und diese auch wählt. Der unreife Magier bringt wie der goethesche Zauberlehrling Kräfte ins Rollen, die er nicht mehr beherrschen kann. Und der unreife Liebhaber kann zwar Frauen verführen, aber keine Beziehung gestalten – sehr ausgeprägt in fast allen Wang Kar Wai Filmen.

    Psychologe Robert Moore nahm das Konzept von Jung Archetypen und benutzte es,  die Entwicklung von Reife und integralen Männlichkeit bei Männern zu erkläreren. Moore argumentiert, dass viele  heutige Probleme  ein Ergebnis des nicht angemessenen modernen Menschenbildes sein könnte. Weil der Kóntakt mit den  männlichen Archetypen verloren ging, befinden sich Jungen und Männern heute in einem Dillema. Männer und Frauen besitzen  nach Jung weibliche und männliche gegenpolige archetypischen Musters –  eben Anima (weiblicher Anteil) und Anima (männlicher Anteil) und einen Schatten, der bei der Herausbildung der Persona (Maske) entsteht.
    Moore argumentiert, dass jeder diese vier männlichen Archetypen aus drei Teilen besteht: der volle und höchsten Ausdruck der Archetyp und zwei bipolar disfunktionale Schatten des Archetyps mit (+) zuviel und (-) zuwenig Anteil. Um das besser zu erklären, porträtiert Moore jeder Archetyp als ein Dreieck.  Einiges in dem Buch  ist New Age und veraltete feminismus-definierte Männersicht. Das kann man getrost weglassen. Aber das Framwerk als solches ist innovativ und gut anwendbar. Die Visualisierung mit dem Dreieck ist eine einsichtige  Darstellung und Clustering der Schattenanteile des persönlichen Unbewussten eines Jungen, eines Mannes (oder sogar einer sozialen Entitität).  Natürlich ist es nur ein Modell das Wertungen und Begriffe zusammenführt. Es gibt eine Reihe von solchen Weiterentwicklungen des Meyer-Briggs Type Indicator (MBTI) system, aber dies ist die poetischste und folgt auch eher dem Jungschen Entwicklungsmodell als dem MBTI Klassifizierungsmodell mit dem im Human Resource Bereich auch viel “Schubladen-Psychologie getrieben wird.
    Männliche Archetypen

    Der wichtigste Aspekt an diesen vier Archetypen ist jedoch, für mich einen Ausgleich zwischen allen vier Qualitäten zu sorgen und einen Schwerpunkt finden, zu dem es mich automatisch zieht. Die gegenüberliegende Qualität ist schwächer ausgeprägt und bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit und Förderung. Es ist zu untersuchen, ob mein eigener Schwerpunkt als Vater und Manager eher beim tyrannischen Despoten als beim weisen Herrscher liegt. Bin ich eher ein zurückgezogener Eremit als ein mutiger Kämpfer? Als Consultant bin ich eher ein kalter Manipulator als ein wahrheitsliebenden Magier? War mein Wunsch, mich im Rausch der Sinne zu verlieren, stärker als mein Wunsch, die Schöpfung durch meine Liebe zu Gott und Menschen zu begreifen? Sieht meine Frau meinen Schatten besser als ich, gerade in Zusammenhang mit der Krankheit meiner Mutter.

    Mit einer ausgeprägte Königs-Qualität, vernachlässige ich sicher meine Fähigkeiten als Liebhaber. Als guter Krieger habe ich einen ausgeprägten Realitätssinn, sicher auch geistige Kräfte (die des Magiers). Compassion ist wohl eher schwierig. Zu dieser Einsicht gelangte ich – siehe oben.

    C.G. Jung behandelt Eigenarten von Organisationen und Nationen wie Individuen. Vor diesem Hintergrund, sehe ich wenig Kriegereigenschaften und viel Schattenanteil der anderen drei Archetypen im derzeitigen Deutschland, ja dem westlichen Kulturkreis.  Das gilt für Kultur, Politik und Männerbewegung.

    Quelle:
    Robert Moore, Douglas Gillette: König,Warrior, Magician, Lover – A bold map for the masculin psyche.
    Robert Bly: Iron John
    C.G.Jung: Gesammelte Werke
    Jolande Jacobi: Die Psychologie des C.G. Jung

  • “Ich glaube nicht das es Gott gibt …ich weiss es.”

    ich weiss es”, C.G. Jung. Ein Stunde in Zürich gestohlen um in meinem Lieblingsantiquariat nahe dem Bellevue einzukaufen. Heute war C.G. Jung auf meiner Liste. Erstand drei wunderbare Bücher aus den fünfziger Jahren: Psychologie und Alchemie, Der Mensch und seine Symbole und die Standard Einführung “Die Psychologie von C. G. Jung”. von Jolande Jacobi. Jolande Jacobi war mit dem Schriftsteller Albert von Trentini befreundet, der sie religiös beeinflusste. 1934 konvertierte sie zum katholischen Glauben.Im Rahmen ihrer Tätigkeit für den Kulturbund begegnete Jolande Jacobi in Wien im Jahr 1927 erstmals C.G. Jung.
    Der Besitzer suchte mir die Bücher von den Topregalen. Danach hatten wir ein Gespräch, über Gott, Archetypen, die katholische Kirche, den Papst, C.G. Jung und die Welt. Er hatte C.G. Jung noch persönlich kennengelernt und erzählte interessante Details. War kurz davon mit einer Gesamtausgabe den Laden zu verlassen. Zürich hat nach fünf Jahren, in denen ich dort lebte, immer noch neue Perspektiven. Psychologie und Alchimie ist das zwanzigste (eins von den dreirn die mir von der Gesamtausgabe fehlen) Volumen der gesammelten Arbeiten von Carl Jung. In ihm argumentiert Jung für eine Aufwertung des Symbolismus der Alchemie bezogen auf den psychoanalytischen Prozess. Unter Verwendung eines Zyklus von Träumen von einem seiner Patienten zeigt er, wie die Symbole, die von den Alchemisten verwendet wurden, in der Psyche als Art Vorratsbehälter mythologischern Bilder auftreten, die von der Einzelperson in ihren Traumzuständen gefüllt werden. Jung zeichnet eine Analogie zwischen den Alchemisten und der Individuation der Psyche bei dem modernen psychiatrischen Patienten. Während er diese Ähnlichkeiten zeichnet, verstärkt Jung die Universaltät seiner Theorie des Archetypus und bildet ein starkes Argument für den Wert der Geistigkeit in der psychischen Gesundheit des modernen Mannes.Ausführlich veranschaulicht mit vielen Bildern, Zeichnungen die Alchimie und andere mythologischen Quellen einschließlich Christentum. Das Buch ist ein anderes Beispiel von Jung’ s Gelehrsamkeit und Faszination mit den eso- und exoterischen Ausdrücken der Geistigkeit und die Psyche in der Religion und im Mystizismus. Eine fundierte Untersuchung der Alchemie als frühe Form der Tiefenpsychologie führt den Leser zu einer Vielzahl von Analogien. Die Verweise aus Religion, Häresie, Mythologie, Mystik und Naturphilosophie verbinden sich zu einer Sicht auf die Welt, die sich nicht mit Linearität zufriedengibt, sondern eher der Spirale der Evolution folgt. Wie in der Psychologie geht es in der Alchemie darum, den Schlüssel für das – innere – Labyrinth zu
  • Evangelium Lesung – Metanoia Denk Weiter

    Sunday, January 23, 2011, 19:42

    Ein Besinnungswochenende in St. Ottilien auf dem Weg von München nach Zürich bei Pater Otto stand ganz im Zeichen des Matthäusevangelium. In der Evangelium Lesung ging es um Metanoia Denk Weiter statt es wie üblich kehre um zu übersetzen. Das Evangelium zeigt großes Interesse, Jesus von Nazaret als den Messias der alttestamentlichen Prophetie zu zeigen. Zufall oder nicht, er hatte diese Wochenende Dienst und musste unter anderem auch das feierliche Choralamt zelebrieren. Er war aktiv wie ich vor einer wichtigen Präsentation und diskutierte mit uns seine Predikt vorab. Seine Messe und seine Predikt war einzigartig. Es ging um das griechische Wort metanoia von meta = nach, um und noeo = denken. Buchstäblich heißt es also »umdenken« und wird lateinisch oft übersetzt »umkehren«, doch hört hier die biblische Bedeutung nicht auf. Wenn im Neuen Testament metanoia steht, so geht es stets um die Veränderung der Absichten und besonders um die Abkehr von der Sünde. In dem Sinne, wie Jesus dies Wort gebrauchte, verlangt Buße eine Absage an das alte Leben und eine Hinwendung zu Gott, um errettet zu werden. An einen solchen Gesinnungswechsel dachte Paulus, als er die Buße der Thessalonicher beschrieb, die Hinwendung zu Gott, das Abwenden vom Bösen und die Absicht, Gott zu dienen. Kein Gesinnungswandel kann mit wahrer Buße bezeichnet werden, der nicht diese drei Elemente enthält.
    Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit Buße übersetzt wird, ist metanoia, von noein, „denken“ und meta, „um“ oder „über“, wörtlich also etwa: „Umdenken, Sinnesänderung, Überdenken“.Im Christentum führt Buße über die Erkenntnis der eigenen Schuld (Ijob 42,6 EU) zu den rechtschaffenen Werken des neuen Lebens (Apg 26,20 EU), die die Abkehr von der bisherigen Lebensführung einschließen (Röm 6,1f EU). Jesus Christus gilt hier als Sühneopfer für die Erbsünde aller Menschen.
    Der Begriff Buße oder Reue wird im Buddhismus ähnlich, wie im Griechischen metanoia als Umorientierung gesehen und auch der in buddhistischen Texten verwendete chinesische Begriff wird mit Buße oder Reue übersetzt.
    Nun, Pater Otto sah das in einer geradzu radikalen, persönlichen Predikt anders. Das griechische Wort metanoia heisst für ihn nicht umkehren, sondern den weiter, denk breiter, also weiterdenken. Sein Einleitung war, das Himmelsreich ist nahe, es ist eine Perle, ein Hochtzeitsmal, ein kluger Hausvater, es sind 5 kluge und fünf törichte Jungfrauen. Sein Ende war geradezu revolutionär, “wenn Regeln Sinn machen befolge sie, wenn nicht denk weiter, das Reich Gottes ist schon nahe”.
    Seine Worte mit einer sonderbaren Mischung von schweizerischen und amerikanischen Akzent erfüllte die Kirche, es wurde hell und die Januarkälte wich, ich spürte wie im Morgengrauen im Paradies Valley – nun ja, schon etwas göttliches bei der Wandlung.

  • Des hommes et des dieux – von Göttern und Menschen

     
    Ging in letzter Minute ins Zürich Arthouse Movie: Der Regisseur Xavier Beauvois zeigte im “Des hommes et des dieux” das Blutbad, welches islamische Terroristen am 18. März des Jahres 1996 anrichteten, als sie sieben französische Mönche entführten und am 30. Mai enthaupteten.Wir befinden uns in den neunziger Jahren, kurz nachdem der terroristische Groupe islamique armé alle Ausländer aufgefordert hat, Algerien zu verlassen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, wird eine Gruppe kroatischer Arbeiter ermordet – eine bedrohliche Kulisse für die französischen Glaubensbrüder. Die sieben Mönche hießen: Pater Christian 59 Jahre Pater Christof 45 Jahre Pater Silestin 62 Jahre Pater Bruno 66 Jahre Pater Luc 82 Jahre Pater Poul 57 Jahre Pater Michael 52 Jahre.
    Die sieben französischen Mönche lebten in einem Kloster, welches im algerischen Atlas-Gebirge zu finden war. Sie hatten ein gutes Verhältnis zu den Dorfbewohnern. Denn sie halfen allen, wie die koptischen Mönche in Ägypten mit den Beduinen tun. Zum Beispiel suchten die muslimischen Algerier die Sprechstunden des Arztes, des Vaters Luc, auf. Die Väter lebten friedlich seit 1993 in ihrem Kloster und widmeten sich dem Gebet, Handarbeit und Wohltaten. Nach vielen Jahren, in denen die Mönche mit der benachbarten muslimischen Dorfgemeinde friedlich und in gegenseitiger Achtung auch der unterschiedlichen religiösen Bräuche gelebt haben, bedroht eine islamistische Terrorbewegung den Frieden im Land. Die katholischen Mönche dachten nicht, dass sie dadurch bedroht waren, weil sie sogar den Islamisten verarzten und Medikamente gaben. Die christliche Nächstenliebe aber nutzte gegen den islamischen Hass nichts.

    Des hommes et des dieux» fasziniert weil die cineastische Form auf perfekter Weise dem Inhalt entspricht. Den Alltag von sieben Trappistenmönchen, ihre Gebete und ihre Arbeit fängt er in langen, ruhigen Einstellungen ein. Es ist ein Kino der Entschleunigung, welches wie das “Das grosse Schweigen” die radikalen Stille zeigt. Berührt sehen wir den Mönchen zu, wenn sie demokratisch beraten, mit ihrer Angst kämpfen, ob sie nun dem drohenden Terror islamischer Kämpfer entfliehen oder in ihrem Kloster ausharren sollen. «Des hommes et des dieux» steht für einen Trend, der sich auch in der Weltpolitik niederschlug: die Rückkehr der Religion.
    Beauvois stellt die Bewohner des Konvents mit grosser Empathie vor und gibt den verschiedenen Charakteren Raum für ihre Gedanken – dem pragmatischen alten Arzt Luc (Michael Lonsdale) ebenso wie dem jungen Christophe (Olivier Rabourdin), der vom Glauben abzufallen droht. Ihr Zusammenleben wird respektvoll dargestellt, und er zeigt die Mönche auch in sehr privaten Momenten, ohne dabei indiskret zu sein. Die Kamerafrau Caroline Champetier hat kontemplative Bilder geschaffen, die durch den Verzicht auf (religiösen) Kitsch keine Gefühlsmanipulation betreiben und dank ihrer Schnörkellosigkeit und Direktheit umso stärker bewegen. Der Verzicht auf Musik – ausser solcher, die wie das Singen der Mönche zur Handlung gehört – trägt zur Wahrhaftigkeit der Szenerie bei.
    Als Frère Christian von den Terroristen bedrängt wird und deren Anführer ihm sagt, er habe keine andere Wahl, als ihm zu gehorchen, widerspricht er selbstbewusst. Dass jeder Mensch immer eine Wahl für sein Leben hat, sofern er auch bereit ist, sie gegen Feinde der Freiheit zu verteidigen, ist eine Überzeugung, die Hoffnung macht.

    Aber was ist eigentlich mit den Augenärzteteam der Organisation “International Assistance Mission” (IAM). Die Gruppe war mit einer mobilen Klinik in der Provinz Nuristan und befand sich auf dem Heimweg nach Kabul, wie der Leiter des Kabuler Büros, Dirk Frans, erklärte. Acht christliche Helfer und zwei Einheimische sindgetötet worden, unter den Opfern ist eine deutsche Ärztin. Weiter starben sechs US-Bürger, eine Britin sowie zwei afghanische Dolmetscher.
    Zu der Tat bekannten sich islamische Extremisten. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahed sagte nach Angaben des britischen Senders Sky News: “Es waren christliche Missionare, und wir töteten sie alle”.
    Die Täter wurden auch nie gefunden oder zur Rechenschaft gezogen. Vergessen in der Presse, besser totgeschwiegen. Ist diese westlich Gesellschaft nur noch in der Kunst wahrhaftig?

  • Warum ich kein Atheist bin

    „Wirklichkeit ist, was wirkt” (Heidegger).  So sind für mich z.B. auch Wunder und Gott-Erfahrungen wie das morgendliche Alpenglühen im Paradise Valley, St. Rainier (US, Washington State) integrierbar in meinen Glauben, lehrt es doch Bescheidenheit durch Wandern in den Bergen.
    Jesus lebte in der Gewissheit, dass Gott sein Vater war. In der Natur erfahren wir es gibt Gott.  In ihm wird das, was wir als 4D-begrenzte Menschen von Gott wissen können, am umfassendsten offenbar [„In ihm hat die ganze Fülle der Wirklichkeit Gottes körperliche Gestalt angenommen und wohnt in ihm.” (Kolosserbrief 2,9; ]. Er verkörpert sozusagen das ganzheitliche Selbst nach C.G. Jung, der sagte: “Ich glaube nicht, dass es Gott gibt – ich weiss es”.  Das von ihm geforderte und selbst gelebte Gebot der Feindesliebe markiert das ethisch-moralisch höchste Niveau (vgl. Bergpredigt: Matthausevangelium, Kap. 5-7).
    Die meisten Völker dieser Welt haben ein Wissen um einen (Schöpfer-) Gott. Jeder Mensch braucht Vorbilder. Die Vorbilder, die den christlichen Glauben lebten und leben, laden zur Nachfolge Jesu Christi ein: Mutter Teresa, Galileo, Kepler, Augustinus, Hildegard von Bingen, Albert Schweizer, Edith Stein, Dietrich Bonhoeffer…
    Persönliche Erfahrung von Gottes Existenz im Wort Gottes, die Frage nach dem Ursprung des Universums führt letztendlich auf die Frage nach der Natur bzw. der ersten Singularität. Sie ist im Grunde nur axiomatisch beantwortbar. Alternativen sind unbefriedigend.
    Warum gibt es Naturgesetze? Warum ist Gott in der Natur? Jede Wahrheit braucht eine Quelle, einen Sender. Der genetische Code verweist auf einen Codierer (Programmierer). Es ist sinnvoll, wie der Film “Die Matrix” lehrt, Gott als Quelle anzunehmen.
    Rationalismus kann aber trotzdem nicht das oberste Prinzip sein. Der Rationalismus reduziert die Wirklichkeit unzulässig auf nur einen Teilbereich. Mit Ratio als alleinigem Werkzeug sind die Bereiche (Dimensionen, Sphären) der Liebe, Schönheit, Ästhetik und Kunst nur ungenügend erfassbar.
    Ohne Gott ist Leere und Beliebigkeit, Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt” (Dostojewski).