Archetypes

The European Union and the Great Mother – UFOs in the 21st century (German)


TO BE TRANSLATED.

Europa ist derzeit in aller Munde.

Misstrauen herrscht gegen die fernen Institutionen in Brüssel. Europa ist verunsichert wie in den 50er Jahren. Wie damals im kalten Krieg erwarten die einen das Heil für das zerstrittene Europa von fremden Wesen mit UFOs, welche die nationalen und kulturellen Differenzen einebnen und ein solidarisches, zentrales und supernationales Europa schaffen, welches in der bösen globalisierten Welt bestehen kann. Was, fragen sich aber andere Europäer, treiben diese EU-Wesen vom andern Stern hinter verspiegelten Fassaden, meist verschlossenen Türen und mit einer höchst fragwürdigen Legitimation? Anders als bei den UFO Debatte in den 50ern kann diese UFO’s heute jeder sehen, trotzdem gibt es faszinierende Parallelen zwischen der Debatte in den 50ern und der heutigen um die Europäischen Union und dem Euro. Hans Magnus Enzensberger prägte einen Begriff, das bürokratische „Sanfte Monster Brüssel“. Dieses Monster dem wir da ins Auge blicken ist nicht nur sanfte Grosse Mutter, sondern auch die furchterregende Grosse Mutter. Aber von wem werden sie gesteuert wem kann man noch trauen? Es ist eine interessante Tatsache, dass diese UFO-Debatte mit der Verfolgung der Intellektuellen in den USA einher ging. Konservative Senatoren wie Joseph McCarthy hetzten damals wie heute die europäische Regierungen und die EU Bürokraten gegen jeden, der abweichende Gedanken äußerte.

Glaube an die Allmacht.

Es ist diese Form der der gefühlten Allmacht die zur Bevormundung und Gängelung der Bürger führt und der danebengegangen Heldendarsteller. Einer der maßgeblichen Gründungsväter: Jean Monnet, ist ja dann auch Erfinder des heute oft bemühten “Rettungsschirms”. Sicher gibt auch heute klare politische Momente und psychologische Motive hinter der Euro-Debatte: Die Linken und das politische Establishment hoffen auf die Segnungen eines zentralistischen postdemokratischen Staates, da mit der Möglichkeit solcher Phänomene auch der Glaube an die Allmacht und Stabilität des Staates (und seiner Priester) belegt werden würde. Gäbe es etwas Bedeutendes jenseits des Staates (wie das Individuum, die Familie, die Wahrheit, die Religion) würde es den religiösen Anspruch der transnationalen Institutionen – nicht nur die politischen – herausfordern. Dieses Etwas macht den heutigen EU-Befürwortern Angst um die ersehnte Stabilität. Genau das war der Grund, warum der Staat und die EU Bürokratie die Öffentlichkeit mit offensichtlich erlogenen Beschwichtigungen zu beruhigen versucht. Diese staatlichen Beschwichtigungen erweckten damals in der UFO Debatte wie heute das Misstrauen der Gegner und brachten damals wie heute sogar neutrale Personen des öffentlichen Lebens dazu, Verschwörungstheorien zumindest für möglich zu halten. Ein Beispiel ist der Aufruf der 250 Wirtschaftsexperten. Das wiederum zwingt den Staat dazu, noch heftiger zu dementieren und zu lügen, was die Kluft immer größer werden ließ. Wir treffen uns jenseits des Wirklichen.

Jenseits des Wirklichen.

Man bewegte sich auf der Euro Seite des Grabens schon auf einer Ebene jenseits des Realen und jenseits des Wirklichen. Man schuf mit diesen Diskussionen eine soziale Ebene der Wirklichkeit, die sich bereits in diesem Stadium weit von den zu Grunde liegenden Ereignissen abgehoben hatte. Die Diskussion grub Symbole – der faule Süden, der Deutsche als Unterdrücker – in die Köpfe der Menschen ein, die Wirkungen zeigen und den Konflikt wieder verschärften. Was aber keinem der Beteiligten klar ist: Es wird nicht mehr über eine reale Sache gesprochen, es wird schon lange über Symbole und Archetypen gesprochen: die Grosse Mutter, der gute (oder böse) Magier), der gute (oder böse) König –  und Schatten, Schatten überall: die Projektion der eigenen unerwünschten Eigenschaften.

Dazu Schatten der Vergangenheit, wie der EU-Kommissionsvorsitzende, und frühere Vorsitzende von Portugals Maoisten, der hoffend auf die öde Geschichtsleere der heutigen Medien, ohne Scham “Den großen Sprung”, namensgleich mit Chinas “biggest man-made desaster which cost about 45 million lives” und “die Vierergruppe” für Europa zu propagieren. Die sogenannten Eliten als UFO-Gläubige. Böse Zwerge,  die wie bei Wagners Ring der Liebe abschwören und deren einzige Libido die Macht über andere ist, letztlich aber nur Werkzeuge der (tragischen, schwachen und fehlenden) Götter sind.

Erzeugung eines Mythos der Supranationalität.

Die Tiefenpsychologie und Allegorien wie “Der Prozess” von Kafka zeigen, wie perfide die Strategie im Kampf um die „Öffentliche Meinung” verlaufen kann. Dabei erzeugte eben die Unsicherheit, die aus der Diskussion resultierte, eine Verstärkung der UFO wie heute der Euro-Mythologie. Das Motto: “Scheitert der Euro, scheitert Europa”. Keiner weiß aber, was an der Sache dran ist. Gerade die Diskussionen mit immer wieder neuen Fakten für und gegen jeden diskutierten Rettungsversuch machten aus dem EURO Monster einen immer stärkeren Mythos.

Ein Mythos des Drachens für die einen oder eines Heilsbringers der immerwährenden Frieden bringt. Wie in einem echten Mythos spaltete die Diskussion das Bewusstsein der Beobachter: Während das Bewusste der Bürger – wegen der Absurdität der Behauptungen – den Euro und die permanenten Rettungen immer skeptischer aber fast noch rational betrachtete, wird das Unbewußte der Linken davon magisch angezogen und absorbierte diese Symbole so tief, dass bei den meisten vom Ihnen auf die Frage nach deren Einschätzung von ein “Ich weiß zwar nicht warum, irgendwas ist an unserer Auflösung unser kulturellen Identität und der Zerstörung der Demokratie positiv”.

C.G. Jung und die UFO Debatte

Jung war einer der ersten Beobachter, die in der damaligen UFO-Debatte einen symbolischen Mythos erkannten. Er publizierte 1959 ein Buch mit dem Titel: “Ein moderner Mythus. Von Dingen, die am Himmel gesehen werden”. Das Buch wurde zu jener Zeit kaum beachtet, da es wohl der stark polarisierten Geistesverfassung der Kontrahenten nicht entsprach; es war wohl zu nachdenklich und zu sachlich.

Es lohnt sich es zu lesen Die Parallelen zu heute sind nicht zu übersehen. Jung zog damals dabei das gesamte Register seines Lebenswerkes: Zunächst schien es ihm, “dass das offenbar komplizierte Phänomen neben einer möglichen rationalen Grundlage auch eine wesentlich ins Gewicht fallende psychische Komponente besitzt”. Was für ihn unklar blieb, war die Frage, “ob eine primäre Wahrnehmung ein Phantasma im Gefolge hat, oder ob umgekehrt eine primäre, sich im Unbewußten ausbreitende Phantasie das Bewusstsein mit Illusionen und Visionen überfällt.” Als dritte Möglichkeit zog Jung Synchronizitäten in Betracht, sinnvolle und “zufällige” Koinzidenzen zwischen einem psychischen und einem physikalischen Phänomen.

Vorahnungen gesellschaftlicher Umbrüche

C.G. Jung stellte Verbindungen mit religiösen Visionen her, welche immer dann auftreten, wenn sich Zeiten mit großer persönlicher oder kollektiver Angst oder Gefahr oder gesellschaftliche Umbrüche ankündigen. Solche Massenanomalien wie das Euro-Phänomen und das extreme öffentliche Interesse (und der öffentliche Disput) deutetet Ereignisse an, welche mit umfassenden Veränderungen des kollektiven Unbewußten einher gehen. Jung schloss sein Werk mit einer düsteren Ahnung des kommenden kataklysmischen Endes unseres weltgeschichtlichen Zeitalters. In seinen Betrachtungen geht er davon aus, dass das astrologische Fische-Zeitalter der menschlichen Zivilisation in das Zeitalter des Wassermannes übergeht, was zu katastrophalen Umbrüchen führt, welche diese kollektiven psychischen Effekte und kollektive Visionen hervorruft. Aus dieser Zerrissenheit, die mit einem solchen Umbruch verbunden ist, ergibt sich für ihn die Suche des Menschen nach Wiederherstellung der Ganzheit. Erschließt: “Im religiösen Erlebnis begegnet der Mensch einem seelisch übermächtigen Anderen”. Auch im Zusammenhang mit Betrachtungen zu dem Tod schreibt er über diese Phänomene (in „Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung”, Walter-Verlag). Bemerkenswert aber ist in diesem Zusammenhang insbesondere, dass Jung in keiner Weise die Frage in den Vordergrund stellt, ob das ein Massen Phänomen eine subjektive oder objektive Beobachtung sei und welchen Grad der Glaubwürdigkeit die Stellungnahmen haben. Er interessiert sich nur für die Vorgänge im Bewußtsein der jeweiligen Beobachter und des gesellschaftlichen Kollektivs.

Merkur und Hermes – Die Medien und Experten

Ich möchte diesen Gedanken diese Gedanken an die Zeitenwende-Analogie weiter ausführen und Vergleiche zwischen dem der EU und dem Archetyp des Götterboten herstellen. Auch um diesen hatte es eine solche Kontroverse gegeben. Vielleicht lässt sich das EU-Phänomen dadurch “erklären”, dass die Archetypen des kollektiven Unbewußten zur Manifestation tendieren. Diese Ambivalenz und das scheinbare „Spielen” des Phänomens durch Experten und Medien erinnert an den Gott „Hermes” und seine Eigenschaften. Da Hermes ein Archetyp des menschlichen Unbewußten ist und der Wert des Geldes (oder des Goldes) Phänomene sind, welche sich offenbar auch in Grenzbereichen des Bewußtseins offenbaren oder dort wirksam sind, kann man bei der Beschreibung des Der Euro-Debatte und auch bei der Art, wie Informationen von Kritikern und Befürwortern zu Verzerrungen beitragen, starke Elemente des Hermes-Archetyps erkennen. Hermes ist der Götterbote, Überwinder von Grenzen, Botschafter und Vermittler zwischen den Bereichen, Lügner und geniale und flexible Intelligenz gleichermaßen. In der Mythologie begegnet er uns als Gaukler und Magier, als Gott Pan, als Gott der Kommunikation und als Gott der Lügner und Diebe. Er ist dem merkurianischen Prinzip zugeordnet. Er klärt durch Informationsfülle und Klarheit auf, schafft aber auch dadurch Verwirrung, Paradoxie und Ambivalenz. In seiner besten Form ist das hermetisch-merkuriale Bewußtsein fähig, die Paradoxität des Seins zu realisieren und zu ertragen. Auf dieser tricksterhaften und zweideutigen Ebene bewegt sich auch das EURO-Phänomen. Auf der einen Seite bestehen Beweise durch Nachrichten, auf der anderen Seite wirken Betrüger, Tricks und eine merkurianisch-hermetische, merkwürdige Verschwommenheit. Es gibt so viele Beweise und Gegenbeweise, Argumente und Gegenargumente, dass eine klare Lösung oder Erklärung des Phänomens nicht möglich scheint. Weder die physische noch die psychische Erklärungsebene ist haltbar. Ist das EURO-Phänomen tatsächlich ein archetypisches Phänomen (mit Auswirkungen auf unsere materielle Wirklichkeit?) – wofür es viele Hinweise gibt – dann ist Hermes sicher der Schirmherr dieser Beobachtungen. Da dieser Hermes-Archetyp gerade das Zweideutige liebt, wird er sicher nicht eine aufsehenerregende Rettung der Euro-Krise auf dem Rasen des Weißen Hauses durchführen – es wäre nicht sein Stil.

Die Grosse Mutter – und das Böse

Im heutigen Europa ist die Grosse Mutter mit vielfältigen Regeln und Gesetzen omni-präsent  und es wird ihr große Macht zugesprochen. C.G. Jung hat sie auf drei wesentliche zusammengefasst: „…ihre hegende und nährende Güte, ihre orgiastische Emotionalität und ihre unterweltliche Dunkelheit“. Die Religionsgeschichte zeigt uns das Weibliche in vielen Facetten. Es kann sowohl Glück als auch Unglück verheißen. Das Weibliche kann schützende, aber auch zerstörerische Bedeutung haben. Ein bekanntes Beispiel ist Gaia, die Erdgöttin der Griechen. Die hinduistische Göttin Parvati ist Gattin des Shiva und Mutter von Ganesha und Karttikeya.

Ihre „dunkle Seite“, Kali, verkörpert den Zorn. Kali ist Göttin der Zerstörung und des Todes, aber auch der Erneuerung. Im Christentum ist Eva die Verführerin. Ihr Wissensdurst bringt sie dazu, die verbotene Frucht zu kosten. Dies bedeutet allerdings, am Guten wie am Bösen teilzuhaben. Fast alle weibliche Gottheiten und mythologische Figuren zeigen einen Doppelaspekt. Sie sind beides, Licht und Finsternis. Der Jungfrau kommt die besondere Bedeutung der ursprünglichen Unschuld zu. Sie steht für die Seele im Zustand der unverletzlichen Reinheit. Die Jungfrau verkörpert das weibliche Ideal und ist im Heldenepos oft Gegenstand und Ziel des Kampfes.

Bei dieser eher tiefenpsychologischen Betrachtung sollte man aber unbedingt eines bedenken: Auch wenn man die Europäische Union nicht als primär real ansieht, könnte das Böse in ihr durchaus realen Charakter erhalten. Durch die Wechselwirkung des Bewußtseins mit unserer Realität, für welche es viele Hinweise in der modernen Physik (z.B. Quantenphysik) gibt, kann es dazu kommen, dass psychische und archetypische Inhalte in unsere Wirklichkeit einbrechen und dort für das Beobachterkollektiv sichtbar werden. Im Rahmen neuerer Betrachtungen gibt es auch sehr konstruktivistische Anschauungen unserer Wirklichkeit, die davon ausgehen, dass unsere gesamte Wirklichkeit durch das kollektive und die individuellen Bewußtsein konstruiert ist. Unter diesen Aspekten wäre das Phänomen der Europäischen eine Erscheinung, welche sich an der Grenze zwischen psychischer und physischer Wirklichkeit befindet. Gerade das EURO-Phänomen, als unauflösbarer Grenzfall zwischen Wirklichkeit und Halluzination wirft grundlegende Fragen über die Struktur unserer Wirklichkeit auf und kann damit zum Anlass werden, viele gemeine Haltungen zu der Wirklichkeit unserer Wirklichkeit zu hinterfragen und damit auch in Frage zu stellen. Nicht ohne Hintergrund wurde die Euro Debatte in Naganos Interpretation von Wagners Ring in München aufgegriffen. Berichte, Beobachtungen und Mythen aus der jüngeren und der älteren Geschichte zeigen auffallende strukturelle Ähnlichkeiten zu den oben besprochenen politischen Ereignissen der letzten zwei Jahre und ergeben bestimmte Muster. C.G. Jung führten diese Ähnlichkeiten zu der Bemerkung über die UFO-Phänomene: „Wir haben hier eine Gelegenheit zu sehen, wie eine Sage entsteht.”

 Manifestierungen von Erlösern

In der fernen wie auch der nahen Vergangenheit gab es viele Propheten, „normale” Menschen und Heilige, die Visionen hatten: Gottesgesichte, Dämonen, Marienerscheinungen und Götter erschienen einzelnen Menschen und manchmal (wie bei Marienerscheinungen) sogar “objektiven” (oder hysterischen) Massen. Die Ereignisse, insbesondere bei Marienerscheinungen, sind den Gipfeltreffen sehr ähnlich: Flugzeuge steigen vom Himmel herab oder schweben über den Wallfahrtsorten der Finanztempel und manchmal entsteigt ihnen ein Lichtwesen unterwegs wieder einmal den EURO zu retten. Soros – einer der größten Eingeweihten oder/und der größte Betrüger (hier schimmert wieder Hermes durch) dieses Jahrhunderts – erklärte, Europa muss vom einer höheren Ebene bewacht werden.

Meta-Muster

Eine bemerkenswerte Parallele zwischen Europa und dem Nibelungenlied ist der Auftritt des bösen verkrüppelten Zwerges, der manchen Politikern äußerlich und/oder innerlich verblüffend ähnelt, was die Vermutung nahelegt, das Euro Desaster und Wagners (oder Tollkiens) Ring ein und das selbe Ereignis wären – betrachtet durch unterschiedliche kulturelle Brillen. Der Philosoph Gregory Bateson bezeichnet in einer zusammenfassenden Betrachtung die ständige Wiederholung ähnlicher Ereignisse als Meta-Muster (wie dem der permanenten Euro-Gipfel), welches zu strukturellen Parallelen zwischen der historischen und der modernen Mythologie führt. Der Praktiker Göbels sah das ähnlich. Dieses Meta-Muster wird dann kulturspezifisch codiert und führt zu einem der typischen Muster, wie einer tiefen Identitätskrise oder einer Begegnung mit einem Gnom, Zwerg und der oder der zerstörerischen „Grossen Mutter”. Ähnliche Meta-Muster wie bei EU-Erfahrung finden sich demnach auch bei Nahtod-Erlebnissen (Griechenland, Euro, Europa, die Weltwirtschaft, der Weltfrieden) und fast wie bei schamanischen Reisen. Die Frage nach Sinn und Wesen von Europa sind von prophetischen Untertönen und voll mit Bildern vom Aufstieg in der globalisierten Welt, und enthalten ähnliche Untertöne wie überlieferten Reisen in die Unterwelt oder die Totenwelt mit. Es stellt sich also hier die faszinierende Frage, welches Muster unsere Wirklichkeit wie schamanische Reisen und Nahtod-Erfahrungen miteinander verbindet und welche Kräfte oder Strukturen sich hinter diesen Parallelen finden lassen.

Die Suche nach dem Helden

Der Held auf dem Weg des Individuationsprozesses verlässt nach dieser Sichtweise die Welt der gemeinen Subsidiarität und sucht einen Bereich übernatürlicher Wunder im supranationalen auf, um dort Einweihung zu erfahren. Demnach würden der Wunsch der Zugehörigkeit zu den Euro-Fanatiker – zumindest bei einigen Befürworten – einem unbewußten Wunsch nach „Einweihung” entsprechen. Ebenso wie bei indianischen Einweihungsriten werden Held oder Heldin (oder auch Kontaktierte oder Entführte) auf durchschlagende, ihr Leben verändernde Weise vom Kollektiv und von der Masse getrennt. Auch hier taucht wieder die Jungsche Vermutung auf, nach welcher Massenphänomene insbesondere in persönlichen wie kollektiven Übergangszeiten auftreten. Der Euro fungiert als Agent gesellschaftlicher Dekonstruktion” und startet auf „einen Prozess, durch den alte, zentrale Denk- und Handlungsmuster demontiert werden, damit neue, fließender, angeblich semantisch fruchtbarere Denkweisen ihre Stelle einnehmen können.” Vor den Türen der intellektuellen Studierstube fährt der Zug der weiteren EU-Einigung steuerlos und alternativlos auf der Euro-Schiene: Bald werden die Finanzminister des Euro-Landes die nächste Billion vom Tender in die Lok werfen, vom Steuerzahler in die Bank, und viel Dampf und antidemokratische Bewegung erzeugen. In der Studierstube, schreibt z.B. Habermass seinem Essay “Zur Verfassung Europas” sehr wohl, dass dem Europa-Gebilde gemeinsame “soziale und kulturelle Rechte” fehlen. Doch schon bei der Forderung nach der Präzisierung einer zu ändernden europäischen Verfassung, gelingen nur mediokre Formulierungen. Es ist ein Schwanken zwischen demokratischer Vernunft und utopischen Erlösungshoffnungen. Wenn z.B. Habermas stellvertretend für die Linken die “ökonomische Blickverengung” europäischer Politik kritisiert, entlarvt er die UFO Strategie im selben Kapitel den beunruhigenden Satz: “Ja, mit dem Lissabon- Vertrag ist die längste Strecke des Weges schon zurück gelegt.” Welcher Weg wohin? Der Lissabon Vertrag sieht keine Gewaltenteilung vor, obwohl sie das Fundament jeder Demokratie ist. Nur die EU-Kommission hat das alleinige Recht, Gesetze und Verordnungen zu formulieren. Sie wird nicht gewählt, sondern zwischen den Regierungen und den Wirtschaftsverbänden ausgekungelt. Das EU-Parlament kann bei der Außen- und Verteidigungspolitik, der Atompolitik und bei grundsätzlichen Fragen der Wirtschaft nicht mitbestimmen. Maßnahmen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen und der sozialen Sicherheit können nur durchgeführt werden, wenn sie die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nicht beeinträchtigen. Das ist der Weg zu einer imperialen Macht nach außen und zu einem asozialen Weg nach innen. Die UFO Anhänger wünschen sich einen “Vorrang (des) supranationalen Rechts vor dem nationalen Recht der Gewaltmonopolisten” basierend auf der Feststellung, dass in einer globalisierten Weltgesellschaft der Nationalstaat nicht allein bestehen könne. und ein Staatenverband wie die EU nur Kraft gewönne, wenn die Staaten auf einer gemeinsamen, europäischen Rechtsgrundlage zusammenwirken würden. Über die „alians“ die wie Lichtgestalten eine besseren Verfassung von Europa durch- und umsetzen will, wird geschwiegen. Hie und da werden die “Eliten” angeführt, – jene Mischung aus Politkern und Bürokraten, die an der Schaffung des „Sanften Monsters Europas“ ebenso beteiligt waren, wie an der Entwicklung von dessen sozialer Schieflage. Der wesentliche Konstruktionsmangel eines geeinten Europas liegt in seiner Überstülpung über die Völker, was den immer weniger an Entscheidungen beteiligten UFO Gegner in der Krise brutal deutlich wird. Demnach wäre die kollektive Emotionalität der Linken, welche in der Euro-Diskussion Platz greift, ein Zeichen für die Angst des Kapitalismus (und des saturierten Sozialismus) vor einer Veränderung.

Die Suche nach dem Bösen (oder dem Schuldigen)

Es könnte sich bei dem Euro um reine Wahnvorstellungen handeln, wobei bemerkenswert ist, dass diese Vorstellungen über Jahrzehnte konstant und ohne Kenntnisse der (visionären) Befürworter voneinander aufgetreten sind. Hier könnte bestenfalls eine kollektive unbewußte Vorstellung wirken. Auf der anderen Seite stehen die physischen Erklärungen. Die Annahme, dass die EZB, ESM und EFSF  feindliche trojanische Raumschiffe aus dem angelsächsischem Sternensystem sind, ist noch die einfachste und auch die plausibelste dieser Erklärungen. Diese Betrachtungen mögen das einen oder anderen rationalen Betrachter zu weit gehen und den Rahmen des Nachweisbaren sprengen. Historisch betrachtet müsste einem aber dieses supranationale Denken verdächtig und fragwürdig vorkommen. Das eigentlich Abnorme liegt nämlich weniger in diesen Vorstellungen, als vielmehr darin, dass ja die westliche Welt immer schon versucht, einen ganzen Bereiche der Wirklichkeit (das Böse), welcher früher entscheidende Bedeutung hatten, auszugrenzen und zu verleugnen.

Dis Suche nach dem Bösen bricht sich nun Bahn, ironischerweise in nationalistischen Stereotypen und gegenseitigen Projektionen zwischen Süd und Nord (und umgekehrt) – der übelsten Sorte.

Die Suche nach dem Guten

Unsere Welt könnte tatsächlich in ein hochdimensionales System eingebettet sein und verschiedene Ebenen (wie die unsere) enthalten, die sich unter bestimmten Bedingungen gegenseitig beeinflussen. Vielleicht hat der extreme Konstruktivismus recht und wir bewahren nur deshalb die Kontinuität unserer Welt, weil wir an diese Kontinuität glauben. In den Augen vieler Naturvölker träumen wir unsere Welt einfach nur – wir schaffen sie mit unserem Bewusstsein. Bezieht man die obigen Aspekte mit ein, erscheint es sehr befremdlich, dass sich Menschen, die noch nie an einen Gott glaubten, das Gottesreich auf Erden in der Europäischen Union wollen. Sicher gibt es viele Geistes- und Gemütskranke unter den Euro-Gläubigen – was man besonders eindrucksvoll an vielen lächerlichen „Expertenstudien” oder Talk-Shows erkennen kann, in denen ganz offensichtlicher Schwachsinn als Wahrheit verkauft wird. Ist das Euro-Phänomen ein psycho-physikalisches Grenzereignis, mag es auch nicht verwundern, dass so viele Linke darauf anspringen. Ist bei Ihnen doch eine besondere Instabilität ihres Realitätsbegriffes gegeben, die sie geradezu prädestiniert macht, eingebildeten oder echten Vision eine Auflösung von Selbstbestimmung zu begegnen.

Der Ring der alle knechtet.

Zusammengefasst ist es vermessen an dieser Stelle eine endgültige Folgerung zu treffen, was der Ring der Macht, wer die Grosse Mutter, wer täuschender Hermes und wer Böser Zwerg ist. Völlig unabhängig von der Erklärung bleibt aber eine sehr große symbolisch-psychologische Bedeutung, welche es sehr spannend macht, auf dieser Ebene Fragen zu stellen und im Untergang des morbiden Euros und der Besetzung und Abschaffung der kulturellen Identität Europas Erfahrungen zu sammeln.

 

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