C.G.Jung / Gnostic / Philosophy

“Der gnostische Jung und die sieben Reden an die Toten” von Stephan A. Hoeller


C.G. Jung ließ die “Septem Sermones ad Mortuoa” (Sieben Reden an die Toten – Transcript), die er in der Zeit seiner Krise um 1916 verfasst hatte, als Broschüre im Privatdruck erscheinen. Im Buchhandel war sie lange nicht erhältlich, aber  verschenkte sie gelegentlich an Freunde.

Die Schrift besitzt gerade in der heutigen Zeit immer noch eine hochgradige Aktualität, in der heftige, aber trivialisierte Diskussionen zwischen Esoteriker, Bibelgläubigen, Nichtsgläubigen und Materialisten ablaufen. Die tiefe Sehnsucht nach der Religion, welche C.G. Jung konstatiert, wird von den immer sterileren Kirchen und der immer anti-religiöseren Gesellschaft  – speziell der veröffentlichen Meinung – schwer gemacht.
“Septem Sermones ad Mortuoa” enthält bildhafte Andeutungen oder Vorwegnahmen von Gedanken, die in Jungs wissenschaftlichem Werk später eine Rolle spielten, vor allem die Gegensatznatur zwischen Innerlichkeit und Ichbewusstsein und das Streben nach Ganzheit. Das Denken in Paradoxien, Methaphern und die reichen Allegorien war es, das Jung bei den Gnostikern – und den östlichen Religionen – angezogen hatte. Deshalb schrieb er unter dem “Pseudonym”  des Gnostiker Basilides (Anfang des 2.Jahrhunderts AD.).  Manche Gedanken erinnern mich an den Tao Te Ching,   wie ja die nicht-christliche Gnostik durch persisches Gedankengut inspiriert sein könnte:

Die Toten kamen zurück von Jerusalem, wo sie nicht fanden, was sie suchten. Sie begehrten bei mir Einlass und verlangten bei mir Lehre und so lehrte ich sie:
Höret: Ich beginne beim Nichts. Das Nichts ist dasselbe wie die Fülle. Das Nichts oder die Fülle nennen wir das PLEROMA.

Vergleiche:
Der TAO ist ewig ohne Schöpfung,  aber Nichts bleibt ungemacht.

C. G. Jung hielt zum Teil an der Terminologie des Gnostiker Basilides, z.B. Abraxas fest. Kommend aus der Iris-Mythologie Ägyptens, spielte Abraxas eine große Rolle in der Gnosis der ersten nachchristlichen Jahrhunderte. Abraxas taucht bei C. G. Jung als der „Schreckliche” auf, der mit demselben Wort oder derselben Tat zugleich Wahrheit und Lüge, Gut und Böse, Licht und Finsternis erzeugen kann. Auch Hermann Hesse, einmal ein Patient von C.G. Jung,  erwähnt Abraxas in einen seiner Romane „Demlan“ als Gottheit, die gute und böse Elemente in sich vereint.

C. G. Jungs Sieben Reden an die Toten ist wie “Das Rote Buch” ein Zeugnis, in denen er nicht als Wissenschaftler spricht, uns an seiner Suche in alle Richtungen teilhaben lässt. Stephan Stephan A. Hoeller, ein Kenner des antiken Gnostizismus wie auch der Psychologie C. G. Jungs gibt in diesem Buch einen sehr stimmungsvollen Prolog aus der Wiener Nachkriegszeit über den Magier von Zürich und sehr gute Einführungen zu den einzelnen “Reden”.

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