C.G.Jung / History

Günter Grass und die klassische Entlastungsprojektion nach C.G. Jung.


Das Gedicht von Günter Grass, welches Beifall von der radikalen Linken und der radikalen Rechten bekommt, ist nach dem Guardian eine klassische Entlastungsprojektion: die Relativierung von Antisemitismus durch Gleichsetzung von Israels mit Nazi-Deutschland. Günter Grass war über sechs Jahrzehnte das sozialdemokratische “Gute Gewissen” (der Oberlehrer) Deutschlands.  Das wurde schwieriger, nachdem er 2006 publik machte, dass er bei Himmlers Waffen SS war. Günter Grass hat seitdem jeden verklagt (unter anderem seinen eigenen Biografen Michael Jürg) der behauptete, er habe sich freiwillig zur SS gemeldet. Zugegeben hat er, dass er sich freiwillig zur U-Boot Waffe mit Option Panzer gemeldet hat.

Die Projektionen eines Mannes, der 60 Jahre sich und die Öffentlichkeit angelogen hat ist wenig relevant. Genauso, das er sich freiwillig für Hitlers Angriffskrieg gemeldet und gekämpft hat. Das haben viele ehrbare Männer getan. Was schlimm ist, diese Projektion – nicht der Iran will Israel vernichten, sondern umgekehrt – wird scheinbar von der Mehrzahl der Deutschen (insbesondere der Linken bis hinein in die Sozialdemokratie) geteilt. Auslöser ist das Gefühl etwas nicht sagen zu dürfen. Es sind rassistische Meinungen, die man bei anderen Personen ganz besonders herausstellt oder erfindet um sie zu verurteilen. Schatten bei anderen Menschen zu suchen, ist spannend und lustvoll, das beweisen in Mode gekommenen massenhafte Veranstaltungen “Gegen Rechts”. Doch die eigenen Schattenanteile anzusehen, ist für die meisten Menschen sehr schwer. Es braucht eine gehörige Portion Selbstwert, um auch die schattenhaften Seiten an der eigenen Persönlichkeit akzeptieren zu können. Günter GraSS hat die sicher nicht. “Der peinliche Vergleich zwischen Israel und dem Iran sagt sehr wenig über Israel und sehr viel über Grass” (Israelischer Ministerpräsident). Sehr viel über das heutige Deutschland. Um es mit C.G. Jung zu sagen: “Dem westlichen Menschen grinst von der anderen Seite des eisernen Vorhangs sein eigener Schatten entgegen” (C.G. Jung der Mensch und seine Symbole, Olten 1968, S 85).

Wird ein Komplex berührt, zeigt sich dies gewöhnlich in einer komplizierteren, zeitkostenden Informationsverarbeitung oder / und in veränderten unüblichen Reaktionen.  Mir scheint fast,  Günther Grass  (und mit ihm die BRD) ist in der DDR des Jahres 1961 angelangt. Wir ließen Günter Grass seine Meinung all die Jahrzehnte. Und er kann sie gerne zwischen seinen mittelmäßigen Kunstwerken mit bombastischer Sprache und Satzungetümen im Garten seiner unaufrichtigen Verschrobenheit pflegen. Der Amerikaner Daniel Jonah Goldhagen (“Hitlers willige Vollstrecker”) nennt Grass “Verfälscher seiner eigenen Nazi-Vergangenheit”, welcher “nicht anders als jene am Stammtisch, die kulturellen Klischees und Vorurteile seiner Zeit durchkaut”.

Diese sind genau dieser kollektive Schatten,  den Jolande Jacobi, eine Schülerin C.G. Jungs, treffend beschreibt:  (Die Psychologie des C.G. Jung, Olten 1971 S 171)  “die Rückseite des herschenden Zeitgeistes”.  Die im Gedicht von Grass enthaltene “aberwitzige Behauptung”, Israel drohe mit der präventiven Vernichtung des iranischen Volkes, ist eine antisemitische Fantasie oder ein grotesker Komplex, der bei vielen Deutschen ins Spiel kommt, wenn es um die Projektion des Nazismus auf die Juden und Israel geht. Die Perversität dieses Gadankens ist verblüffend. In der Tat, eine derartige Ansammlung von Unvernunft und kaum verborgenen Antisemitismus habe ich in Blogs und auch Leserkommentaren von angesehenen Zeitungen schon lange nicht mehr wahrgenommen. Die Wut und der Hass auf die Juden oder Israel ist in Deutschland scheinbar ungebrochen.

Meist wird nicht Israels Politik sondern dessen Existenz in der Region schon als Problem gesehen. Israel wird zum Sündenbock gemacht für alles Schlechte in der Welt, speziell in der Region. Da werden Dinge munter auf den Kopf gestellt, als wäre Israel eine finstere Diktatur und der Iran der Hort der Freiheit. Tatsache ist: Der Iran, sprich sein Staatspräsident leugnet den Holocaust und will das Judentum auslöschen. Israel hat alle Rechte sich dagegen zu wehren.  Fast möchte man Günter Grass (und dem heutigen kollektiven Unbewussten der Deutschen) zurufen, “mach mal rüber” – in den Westen.  Es lebt, interpretiert nach C.G. Jung einen großen Mythos:  “Es ist der alte archetypische Traum von einem Goldenen Zeitalter, wo alles für alle im Überfluss vorhanden ist und ein großer, gerechter und weiser Herrscher einen menschlichen Kindergarten regiert. […} wir glauben an den Wohlfahrtsstaat, an einen Weltfrieden, an die Gleichheit aller Menschen, an Menschenrechte, an Wahrheit, und (sagen wir es nicht zu laut) an das Reich Gottes auf Erden” (ebd).

Traurige Wahrheit ist, das Leben besteht aus Gegensätzen Gut und Böse. Wir sehen gerade einem langsamen, geistigen Mauerbau zu. Günter Grass brachte nur einen von vielen Steinen. Die Schatten Deutschlands nehmen wieder Überhand. Nicht die, welche C.G. Jung 1933 beschrieb, als der “Krieger” -Schatten der jungen Deutschen durch den mächtigen Schatten eines manipulativen Magiers (Seher) irregeführt wurde.  Heute geht der passive, schwächliche Kriegerschatten  Hand in Hand mit einem alten Heuchler,  ignorant gegenüber den Tatsachen (Faktenckeck ft) , ohne gutes Urteilsvermögen und mit der Dreistigkeit der späten Geburt erklären sie Juden wieder, wie diese  sich verhalten sollen.

Die Politik eines jeden Staates, auch die Sinnhaftigkeit eines Versuchs des Auschalten der iranischen Atomwaffenproduktion, kann mit guten Gründen von jedem diskutiert und kritisiert werden. Meinetwegen auch von einem, der 60 Jahre die Wahrheit verschwiegen hat während er mit erhoben Zeigefinger seine Persona mit seinem Ich verwechselt hat.  Wenn dies allerdings faktenlos, intellektuell niveaulos und mittels eines  sprachlich minderwertigen Gedichtes erfolgt, scheint das eher dem Unbewussten geschuldet als dem Intellekt.

Ein letztes Mal C.G. Jung: “Das Denken ist schwer, deshalb urteilen viele lieber. ” Das Denken ist eine geistige Auseinandersetzung mit der Welt, das Urteilen ohne vorheriges Durchdenken der Sachlage ist eine emotionale Auseinandersetzung mit der Welt und somit auch nicht von Klarheit geprägt, sondern von un- und halb-bewussten emotionalen Befindlichkeiten und mehr oder weniger verborgenen Eigeninteressen, Sympathien und Antipathien getrübt. Deshalb ist urteilen ohne Denken leichter; allerdings nur auf den ersten Blick.  Denn macht man sich dieses zur Regel, ohne vorheriges Denken zu urteilen, verfängt man sich in seiner eigenen emotionalen Verworrenheit des Unbewussten und Verdrängten. Genau das passiert gerade.

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